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Nicht gelistetes System Spielbericht Setting Kobolde fressen Babys - Ulisses Spiele

Dieses Thema im Forum "Von Welten, Leuten & Abenteuern" wurde erstellt von sonic_hedgehog, 27 November 2016.

  1. sonic_hedgehog

    sonic_hedgehog Ältester Magistrat Bücher, Filme, Musik Rezensionsredaktion

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    Kobolde fressen Babys von Ulisses Spiele in Lizenz vertrieben, ist die deutsche Version von Kobolds Ate My Baby, KAMB, von Level 9 Games, dessen aktuelle Version im April 2013 mittels Kickstarter finanziert wurde. Dazu passend, die Finanzierung der deutschen Version erfolgte mit 739% Performance und 238 Unterstützern via Ulisses Crowdfunding.
    KAMB ist ein sogenanntes Beer and Pretzels Game, also ein Spiel mit einfachen Regeln, hohem Zufallsfaktor und einem wenig tief-schürfenden Thema, das quasi einen Abend mit Bier und Brezeln versüßen soll. Ein Spiel, für das man sich auch nicht intensiv in eine Hintergrundwelt einlesen muss.

    Konkret ist es ein Spiel um Kobolde, kleine an Hunde erinnernde Fellmonster. Also nicht die aus DSA bekannten extrem mächtigen Wesen oder und auch keine Reptilien, die in aktuellen D&D Varianten ihr Unwesen treiben. Nein, es sind die Kobolde, die man unter dem Begriff Schwertfutter verbucht. Und ja – die Spieler sind eben dieses Schwertfutter. Ein Rudel ständig hungriger Kreaturen von begrenzter geistiger Kapazität und begrenzten körperlichen Fähigkeiten. Kreaturen, die ihrem Gott VOR dienen, der sie hasst und daher (so er sich überhaupt mit ihnen beschäftigt) mit ihrer Ausrottung beschäftigt ist, und einem König, dessen Hunger unermesslich ist und der seine Kobolde ausschickt, die größte Köstlichkeit zu besorgen, die diese Welt bereit hält: Menschenbabys.
    König Torg (Lang lebe König Torg) herrscht in einer Koboldhöhle, die nahe einer Menschensiedlung liegt. In welcher Höhle? Nun, wundersamer Weise hat jede Höhle einen König Torg (Lang lebe König Torg) und vor jedem Ausgang liegt eine Siedlung – jedes Mal eine andere. Und aus dieser Höhle zieht eine Gruppe todesmutiger Kobolde aus (VOR hasst Feiglinge noch mehr als Kobolde) um im Kampf gegen gefährliche Gegner (Hühner, Katzen, Hunde, Bauern) die Zutaten für die nächste Mahlzeit zu besorgen.

    Das Spiel mit Kobolden wird mit der BIER-Engine simuliert. Zu deutsch: Das Spiel läuft mit Biermotor - Kobolde definieren sich durch vier Eigenschaften (Werte): Bizeps – Irrelevanz – Ego – Reflexe. Diese werden zu Beginn mit je 2W6 ausgewürftel oder die Punkte 4, 6, 8, 10 verteilt.

    Aus diesen vier Werten leitet sich je eine praktische Zahl zwischen 1 und (theoretisch 6, praktisch zu Beginn maximal) 3 ab: Bizeps >> Körper; Irrelevanz >> Glück; Ego >> Gerissenheit; Reflexe >> Wendigkeit. Mit diesen acht werden die Proben abgehandelt. Für jede (nicht absolut triviale) Tat bestimmt der Spielleiter eine Schwierigkeit, einen Wert zwischen 1 und 6. Dieser steht für die Anzahl der W6, die ein Spieler würfeln muss. Ziel ist es, mit der Summe der Würfelwerte unter dem zu prüfenden Wert zu bleiben. Sollte die Tat nicht gegen einen Gegenstand oder einen NSC, sondern gegen einen anderen Kobold (oder sich selbst) gerichtet sein, wird die Anzahl der Würfel (also die Schwierigkeit) durch die abgeleitete praktische Zahl repräsentiert. Wenn also zwei Kobolde miteinander kämpfen, versucht der Angreifer, mit einer Anzahl Würfel, die dem Körperwert seines Gegner entspricht unter seinem eigenen Wert für Bizeps zu bleiben. Gelingt das, hat er seinen Gegner auf den Rücken geworfen.

    Neben den Werten besitzen Kobolde auch Fertigkeiten, die den jeweiligen Wert-Kategorien zugeordnet sind – einige Fertigkeiten (die Allerkoboldsfertigkeiten) können als Standard betrachtet werden, den jeder Kobold aufweist. So zum Beispiel die Fähigkeit zu kochen. Andere Fertigkeiten sind mehr oder weniger nützliche, erlernte Fertigkeiten. Und schließlich sind da noch die wirklich gefährlichen Fertigkeiten. Fertigkeiten, die von den Göttern als mächtiger eingestuft wurden als andere und deren Beherrschung einen Kobold näher an einen schrecklichen Koboldtod bringt. Dazu gehören Dinge wie Handel (was dem Spieler die Möglichkeit gibt, einen Würfelwurf zu wiederholen) oder gar Lakai, was dem Kobold die Nutzung von Koboldmagie ermöglicht. Koboldmagie allerdings bringt den Kobold noch schneller zu einem schrecklichen Koboldtod. Noch schneller? Nun ja, fast alles, was ein Kobold tut, kann als Tanz auf den Messers Schneide verstanden werden. Eine misslungene Probe: Ein Marker auf der Anzeige für schreckliche Koboldtode. Der Versuch, eine gefährliche Eigenschaft anzuwenden: Ein Marker. König Torg (Lang lebe König Torg) nicht angemessen gehuldigt, als sein Name fiel? Dem SL widersprochen? Des Powergamings verdächtig? Feigheit? Ein Marker. Und jedes Mal, wenn ein neuer Marker hinzukommt: Ein Wurf mit 2W6+Anzahl der Marker, der tunlichst kleiner 12 sein sollte. Ansonsten folgt: ein Wurf auf die Tabelle der passenden Aufstellung für schreckliche Tode, die möglichst kreative Schilderung des erwürfelten Todes und das Auswürfeln eines neuen Kobolds.

    Warum sollten somit ständig vom Tode bedrohte Kreaturen auf Abenteuer ausziehen? Als wir noch die Helden in glänzender Rüstung waren und die Kobolde noch als Schwertfutter dienten, hat uns das nicht weiter interessiert. Das ändert sich, wenn sich die Perspektive derart drastisch ändert. Nun ja, abgesehen davon, dass Kobolde dumm und hungrig sind: König Torg (Lang lebe König Torg) wünscht es und VOR hasst Feiglinge.

    Und so ist es am Spielleiter, eine einfache (mehr Aufwand wäre übertrieben) Karte eines kleinen Dorfes zu zeichnen, sich zu überlegen, welche Bewohner dieses Dorf hat (Bauern, Gastwirt, Schmied, Kühe, Hühner, Dorfkatzen, etc.) und zu sehen, wohin es führt, wenn die Spieler als Kobolde versuchen, in diesem Dorf ein leckeres Baby zu finden. Würfeltabellen unterstützen den Spielleiter bei dieser Aufgabe.

    Es ist unschwer erkennbar: Kobolde fressen Babys versucht nicht einmal annähernd, ein ernsthaftes Spiel zu sein. Seine Zielgruppe sind erfahrene Rollenspieler, die eine Pause von komplexen, regellastigen Spielen suchen und bei einem (oder besser mehreren) Bieren und lautstarkem Grölen, Singen, Rufen einen Abend abschalten wollen. Oder ein paar Stunden. Und die dabei einfach mal einen Haufen toter Kobolde hinterlassen wollen (wie früher...).

    Macht das Spaß? Nun, das muss jeder für sich entscheiden. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dieses Spiel seine Zielgruppe hat. Leider bin ich nicht Teil dieser Zielgruppe.

    Das liegt an mehreren Dingen:

    Eher eine Kleinigkeit, aber erwähnenswert: Das eigentlich einfache Regelwerk wird im Buch teilweise sehr umständlich beschrieben. Mir jedenfalls erschlossen sich verschiedene Regeln erst beim zweiten oder dritten Lesen.

    Das liegt auch daran, dass die Autoren fast schon zwanghaft versuchen, lustig zu sein. Mit unglaublich dick aufgetragenen Witzen.

    Der ständige Charaktertod ist eines der grundsätzlich prägenden Stilelemente. Das ist zwar passend, hier aber durch die extreme Zufälligkeit für meinen Geschmack zu plump. Kobolde können nichts und noch weniger richtig. Bereits ein Huhn ist ein respektabler Gegner für einen Kobold, gleichzeitig stürmt man aber in Todesverachtung drauf los. Denn Zögern oder zu intensives Planen sind wie ein Abo für den Tod – einen schrecklichen Koboldtod nämlich. Und gerade die Aufstellungen der schrecklichen Koboldtode wirken für mich gezwungen lustig. Ich kam mir vor, als würde ich ein Jump and Run spielen, in dem ich regelmäßig am Beginn des Levels respawne, und auf Basis des schon erreichten weiterspiele – nur dass bei jedem Respawnen ein kleines Filmchen eingespielt wird, in dem der Charakter von einer vom Himmel fallenden Kuh erschlagen wird, ihm aufgrund zu eifrigen Nachdenkens der Kopf platzt oder er von einem abstürzenden Luftschiff erschlagen wird.

    Vielleicht illustrieren ein Regelbeispiel und ein Beispiel für so einen schrecklichen Koboldtod was ich meine:

    Wer sich hier amüsiert anstatt den Kopf zu schütteln – dem empfehle ich zugreifen. Alle anderen bleiben vermutlich (wie ich) für One-Shots bei einfachen aber ernsthafteren Systemen und erinnern sich für reine Fun-Systeme mit ständigen Charaktertod beispielsweise an Paranoia.

    Ich danke Ulisses, die für diese Rezension das pdf des Regelwerks zur Verfügung gestellt haben.

    ~~~~~~~~~~~~~
    Kobolde fressen Babys!
    Autoren: Chris O'Neill, Dan Landis

    Illustrationen: John Kovalic
    Übersetzung: Barbara Nobis
    Redaktion: André Wiesler
    Lektorat: Stephanie von Treyer
    Verlag: Ulisses Spiele GmbH (Original: 9th Level Games)
    ISBN: 3957523885
    Preis: 19,95 € (TB), 9,99 € (PDF)
     
    Zuletzt bearbeitet: 28 November 2016
  2. Luzifer

    Luzifer Legende Magistrat Brett- & Videospiele Rezensionsredaktion

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    Es ist also ein Rollenspiel für zwischendurch. Sollten dann schon Charaktere, also Kobolde ggf. vorgefertigt sein, oder geht die Charaktererschaffung tatsächlich schnell von statten?
     
  3. sonic_hedgehog

    sonic_hedgehog Ältester Magistrat Bücher, Filme, Musik Rezensionsredaktion

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    Die Charaktererstellung, -erschaffung wäre geschmeichelt, geht schnell - man wiederholt die ja auch immer wieder während des Spiels.
     

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