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Diskussion Thema des Monats Eine Kontroverse: Wie real sollte Fantasy sein?

AnnaFromHell

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Ich finde das Thema echt spannend und beschäftige mich da momentan selbst viel mit, bzw. bin auch selbst etwas unsicher bezüglich der Grenzen, wie weit man eigentlich gehen kann.
Der Reiz im Spiel liegt für mich gerade darin, dass Fantasy so greifbar, so realistisch wird, dass man widerspruchslos in diese Welt hingezogen wird und dazu gehört halt eben auch, dass sie in sich logisch und stimmig ist. Wenn da übermächtige Wesen rumlaufen und alles ist flauschig und harmonisch, passt da irgendetwas nicht, vor allem in Anbetracht dessen, dass auf einem Planeten, auf dem „nur“ der Mensch derzeit die mächtigste Instanz ist so gar nichts wirklich zu 100% flauschig und harmonisch läuft.
Ich gebe Koshka da absolut Recht, das Witcheruniversum ist auch eines meiner persönlichen Favoriten, wenn nicht sogar der eine große Favorit, mir gefällt die Düsternis dieser Welt und auch der Aspekt, der in den Büchern immer wieder thematisiert wird: welches ist das größere und welches das kleinere Übel und macht es wirklich Sinn, dazwischen zu wählen?

Zum den heiklen Themen Sexismus, Sklaverei, Erotik, Vergewaltigungen und Unterdrückung der Frau möchte ich nun als eine eben solche nun auch mal meinen Senf dazugeben.

1. Ich habe in einem textbasierten RPG in der Rolle einer nordischen Frau in einer Welt gespielt, in der Sklaverei an der Tagesordnung stand - vor allem die Sklaverei von Frauen. Und es war das längste und packendste Spiel, in dem ich je gespielt habe. Und ja, mein Charakter hat auch eine Vergewaltigung durchgemacht, das war allerdings so abgesprochen und von mir sogar herbeigeführt, weil wir nur dadurch überhaupt von den Sklavenhändlern fliehen konnten. (Meine Charakterin wurde gegen ihren Willen versklavt und es kam sehr viel Kreativität auf bei dem Versuch, die Freiheit wiederzuerlangen. Sie hat sich nie in ihr Schicksal gefügt sondern stets gekämpft und sich dabei ziemlich entwickelt, am Ende hätte sie als Agentin eine gute Figur gemacht.)

2. Vorherige Kommunikation ist glaube ich gerade bei sexuellen Themen äußerst wichtig. Mir scheint es, als sei dies ein noch viel größeres Tabu als Gewalt. Die Kombination aus beidem ist dann quasi so ein Doppeltabu :D
Auf jeden Fall gehöre ich zu jenen, die Erotik nicht gern zur Gänze aus dem Spiel ausklammern weil sie zum Realismus eigentlich dazugehört.
Was wäre eine detailliert inszenierte Stadt ohne Freudenhäuser?
Feministinnen sind an dieser Stelle vermutlich anderer Meinung und ich möchte an dieser Stelle freundlich darum bitten, die Mistgabeln und Fackeln wegzustellen und den Scheiterhaufen zu löschen ;)
Aber es ist nun einmal einfach eine Tatsache, dass die Stärken einer Frau zumeist in anderen Bereichen liegen als die eines Mannes und das ist doch auch gar nicht tragisch. Eine Frau ist halt in den meisten Fällen kein Hulk, wir sind anatomisch nicht für übermäßige Kraftakte geschaffen. Dafür sind wir die mit den Strippen in der Hand und dem Gift im Kräuterschränkchen.
Und entfernte man die Erotik gänzlich aus dem RPG so beraubte man uns einer unserer effektivsten Waffen und da würde ich dann doch mein Veto einlegen wollen.

3. Man kann ja auch im Zweifel auf allzu genaue Beschreibungen bei Gewalt- und Sexszenen verzichten, wenn zart besaitete Personen anwesend sind, für die Story macht es ja letztlich keinen Unterschied, ob der der Schmied nen Stein an den Kopf bekam und tot umfiel oder ob der fußballgroße Felsbrocken sein Gesicht zur Gänze zertrümmerte und beim Aufbrall Gehirnmasse über den Boden spritzte.

Liebe Grüße an alle,
Anna
 

Ric Master

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Vielen Dank für Deine mehr als vernünftigen Ansichten. Ich sehe das exakt genauso. Echte Gleichberechtigung in einer Beziehung entsteht durch das chinesische Ying & Yang Zeichen und dessen Bedeutung, nicht durch einen Kreis, der in der Mitte halbiert wird.

Ich habe als Spieler und als SL sehr gerne und häufig früher Love Affairs miteinbezogen manche auch extremer.

EXKURS:
Die interessanteste war in Rolemaster, wo ich einen fundamentalistischen Kultanhänger gespielt habe, der kein Problem hat ein Dorf zu beseitigen, nur um die Hexe zu töten. Kollateral-Schaden, na und? Hauptsache das Böse ist nihiliert.

Im weiteren hatte mein Charakter hierzu auch böse Zauber zur Verfügung, die mich korrumpierten und sich langsam bewegende und wachsende Tatoos in Abhängigkeit der "Bösen Macht" in mir. Diese bewirkten auch, dass wenn ich gestorben wäre, meine Seele in Form eines Atompilzes vernichtet hätte und hoffentlich dabei genug Schaden macht, damit ich "das Böse" noch mit in den Tod reisse. (Wie gesagt, wen juckt schon Kollateralschaden...)

Der SL hatte hierauf einen Sekundärkult von zumeist Elfinnen sich ausgedacht, die etwas Zeit ihrer relativen Unsterblichkeit opferten, um den kurzlebigen, menschlichen Mitgliedern meines Kult für die kurze Zeit dieser Existenz zu dienen (ein bisschen wie Zivildienst). Dieser hatte absolute Hochachtung dafür, dass wir unsere unsterbliche Seele opfern um das Böse zu vernichten, so diente mir eine Elfin fast sklavisch, mich in meinem Fokus zu unterstützen. Denn sie sah das als Vorab-Belohnung und Aufzeichnung für die Ehrung dieses Martyrertums nach der kompletten Auslöschung meiner Existenz.

Dies führte zu einer relativen SM-Beziehung, da je böser ich wurde, desto drastischer ja auch die alltäglichen Order, keine Bitten mehr, gegeben wurden.

Bis zu dem Punkt, wo meine zu sehr gewachsene Bösartigkeit den eigentlichen Fokus der Ziele meines Kultes verschob und es mir mehr und mehr um Macht, Reichtum und Egoismus ging.

Dann übernahm sie das Ruder und ich musste gehorchen, heulend und zähneknirschend in meinem egoistischen Wahn, ihr gegenüber komplett hilflos, bis sie in einem Ritual diese negative Essenz aus meiner Seele gesogen hatte (Ein %-Wurf unter Stufe, in dem Fall 14, sonst wäre das mißlungen und ich wäre elendiglich krepiert).

In diesem Zeitrahmen, bis das Ritual durchgeführt werden konnte, war diese "SM"-Beziehung komplett gedreht.

Insgesamt betrachtet war diese extreme Beziehung einem unglaublichen Masse romantisch.
EXKURS ENDE.

Ich habe in den Sessions sehr, sehr viel über mich selbst gelernt.
 
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