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Erzählung Soldatenträume

Dieses Thema im Forum "Reiseberichte" wurde erstellt von Samsonium, 22 April 2009.

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  1. Samsonium

    Samsonium Gast

    Captain Mauricio Giancola liegt in seinem Feldbett und schläft. Geschichten kommen und gehen in seinem ohnmächtigen Geist, und wie üblich wird er sich wohl nicht daran erinnern. Dennoch, auch sein Unterbewußtsein ist wählerisch. Es läßt weiß Gott nicht alle Geschichten zu, welche sich seine Phantasie auszudenken vermag.
    Gerade ist Mauricio in die REM-Phase eingetreten, schon hält sein Unterbewußtes eine gute Mischung aus Erinnerung und Einbildung für ihn parat. Es ist eine belanglose Geschichte, und wie viele belanglose Geschichten beginnt sie mit einer Ziege.

    Chandravhari: " In ihrem Büro ist eine Ziege. " Diejenige, die mir diese Worte so beiläufig um die Ohren knallt um mich bei meinem Mittagessen zu stören, ist Lt. Savittri Chandravhari. Sie ist meine Verbindungsoffizierin zu den Behörden von Neu Goa, und für die Dauer des Einsatzes für die legitime Regierung dieses Planeten ist sie meine Aufpasserin, meine Führerin, und seit den letzten zwei Monaten sogar meine Freundin. Zumindest wenn wir unter uns sind. Und sie ist die, die mich mit Problemen versorgt, um die sich ein Soldat nicht kümmern müssen sollte.
    Giancola: " Gehe ich recht in der Annahme, das die Ziege in Begleitung eingetroffen ist, Savittri ? " versuche ich ebenso beiläufig zurückzuklingen.
    Chandravhari: " Selbstverständlich Sir. "
    Giancola: " Und kann ich weiter davon ausgehen, das sich die Gebrüder Pattmanaban bei ihr befinden ? "
    Chandravhari: " Sir, wie üblich stellen ihre überwältigenden seherischen Fähigkeiten alles Menschenmögliche in den Schatten. "
    Giancola: " Vielen Dank Savittri. Ist ihnen nie in den Sinn gekommen, das sowas zu den Dingen gehört, mit denen ein Feldkommandant nichts zu schaffen haben sollte ? "
    Chandravhari: " Natürlich Capt., nur fürchte ich, das die Pattmanaban's sich keine Vorstellung von den Zuständigkeiten machen. Sie scheinen weiterhin nach der mächtigen männlichen Hand zu verlangen, doch wenn sie wünschen kann ich meiner weiblichen Intuition folgen. " Ach du Kacke, die war ja wirklich sauer.
    Giancola: " Nicht nötig Savittri, wir sind doch hier um diese Leute zu beschützen. Außerdem bezweifle ich, das wir die nötigen Formulare für einen derartigen Ausbruch in die Gefühlswelt in ausreichender Menge vorrätig haben. "
    Chandravhari: " Wie sie meinen Sir. Jedenfalls wartet eine Ziege in ihrem Büro. Wünsche noch ein schönes Mittagessen, Sir. " Sprachs und verschwand.
    Tja, und warum wartete eine Ziege in meinem Büro ? Weil ich der Garnisonskommandant des Abschnitt's Alpha 8 D 22 bin, und weil auf Neu Goa im Allgemeinen, und hier in Sunavattrah im Besonderen, ein ziemlich archaisches Patriarchat herrscht. Und natürlich weil es sich hierbei um Rohit und Nissim Pattmanaban handelte.
    Ich kann mich an die letzten Brüder erinnern, die sich derartig liebgehabt hatten. Sie hießen Kain und Abel, und zumindest einer der beiden ist dann ja auch nachweislich handgreiflich geworden.
    Zu allem Überfluß, liegen die Farmen der Streithähne genau nebeneinander, und produzieren eine 8 km lange, hart umstrittene Grenze.
    Ich betrete mein Büro, ein Nebenraum der Dorfkneipe, und blicke in die Augen eines symphatischen Hornviech's. Kurz darauf höre ich schon Rohit's aufgebrachte Stimme.
    Rohit: " Capt., hören sie mich an. Dieser Unmensch, den ein unglückliches Schicksal zu meinem Bruder machte, hat meinen Samen gestohlen. Verstehen sie, er hat meinen kostbarsten Samen gestohlen. Sie müssen etwas unternehmen ! "
    Nissim: " Wie üblich leidet mein armer Bruder unter großen Verwirrungen, Herr Kommandant. Ich habe ihm überhaupt nichts gestohlen. Viel mehr bin ich Opfer eines üblen Komplotts. Nur in einem geb ich ihm Recht, sie müssen etwas unternehmen ! "
    Ich seh wieder zur Ziege, die auf irgendwas herumkaut, aber alles was ich in ihren Augen lesen kann ist ein ' Hey, ich bin zwar eine Ziege, und ja, ich fresse deine Ausgehuniform, aber ich hab mit der ganzen Scheiße nichts zu tun ' .
    Ich denke, das ich garnicht hier sein sollte, mache aber den Fehler zu fragen. Verdammte Neugier !
    Giancola: " Rohit, ich weiß das ich das bereuen werde, aber darf ich erfahren wie ihr Bruder wohl an ihren Samen gekommen ist ? "
    Nissim: " Das ist doch Unsinn, ich hab mit seinem Samen doch garnichts zu schaffen. "
    Rohit: " Glauben sie ihm kein Wort, Herr Kommandant. Ich habe darauf bestanden, das die Beweise mitgebracht werden. Er hat Gundra auf sein Grundstück, zu seiner elenden Zicke gelockt, meinen Gundra, der mir schon sechs Preise eingebracht hat, für den ich gute Deckgebühren verlangen kann. Und dann hat er meinen kostbarsten Samen gestohlen. Sehen sie sich die Ziege an, Herr Kommandant, sie ist trächtig. Von meinem Gundra. Der ist prämiert wissen sie !
    Nissim: " Sehen sie, ich habe seinen Samen nicht angerührt. Es geht nur um Ziegen. Außerdem ist sein geiler Bock ja zu uns gekommen. "
    Rohit: " Aber nur, weil du deine Zäune nie vernünftig reparierst, du fauler Hund. "
    Nissim: " Wen nennst du hier fauler Hund, du erbärmlicher Haufen nutzloser Biomasse. "
    Wieder sehe ich die Ziege an, um mich vom Geschrei der mich inzwischen völlig Ignorierenden abzulenken, und wieder kommt es zu diesem merkwürdigen Blickkontakt. Vielleicht meint sie mir eine Erklärung zu schulden, weil sie doch schon halb mit meinem Unifomhemd fertig ist, vielleicht will sie sich aber auch nur mal aussprechen. ' Es war doch nur Gepoppe ', sagen ihre Augen. ' Wir haben uns nichts dabei gedacht. Und du hättest mal seine Hörner sehen sollen, JungeJunge. '
    Ich antworte ihr nicht. Soweit bin ich noch nicht. Aber wenn der Garnisonsdienst nicht bald vorbei ist, garantiere ich für nichts mehr. Die Ziege nimmts gelassen. Und wie aus einem Herdentrieb heraus fange auch ich an, auf meinem linken Uniformkragenzipfel herumzukauen. Am Ende sollte er die beiden vielleicht doch Savittri's gerechtem Zorn überlassen, und dabei fällt mir ein, das mich heute Abend ein ungleich schwereres Gespräch erwartet.
    Irgendwann muß ich es ihr ja sagen, das ich mich für die Palau-Expedition beworben habe, das ich weg will von hier. Mir ist garnicht bewußt wie die Pattmanabanbrüder ausgeblendet werden, aber deswegen ist es ja ein Traum. Auch die nette Ziege ist weg, ich hab noch nichtmal ihren Namen erfahren, und mein Gesichtsfeld wird ganz und gar von Savittri ausgefüllt. Es ist der Abend des selben Tages, und ich habe ihr gesagt, das ich in wahrscheinlich schon 3 Monaten aufbrechen werde, spätestens aber in 6.
    Sie ist nicht begeistert. Und nun feuert sie eine ganze Batterie guter Argumente ab, warum das Ganze eine beschissene Idee ist. Ich höre garnicht zu. Es tut mir furchtbar leid, aber ich kann nicht. Ich sehe wie sich ihre Brust hebt und senkt, sehe die Bewegungen der Halsmuskeln, sehe wie sie gestikuliert um ihren Aussagen Interpunktionen hinzuzufügen, und rieche wie eine letzter Rest Deo verzweifelt versucht Savittri's überwältigenden Geruch zu verstecken. Ich bekomme alles mit, nur nicht was sie sagt. Ich spüre sie mit allen Sinnen, nur in meinen Ohren rauscht das Blut. Langsam bekommt sie es auch mit, und ist nicht amüsiert. Sie bekommt ein wütendes Gesicht, und ich finde es wunderschön. Ihre Gestik wird heftiger, fahriger, unbeherrschter, und mein Atem geht schneller. Bei Savittri hat meine Erregung den gegenteiligen Effekt. Ihre wuderbare braune Haut wird zwei Sekunden vor der Ohrfeige eine Spur dunkler.
    Nanu ? Das gefällt mir ja ? Wie kommt's ?
    Unbeachtete Wortfetzen treiben in meinem Kopf, als ich den Versuch unternehme sie zu küssen. Sie ist noch immer nicht amüsiert. Diesmal ist ihre Hand geschlossen, als sie mein Gesicht trifft.
    Dann fühle ich mich allein. Sitze auf meinem Bett, habe ein Ziegenschnitzel aus der Dose auf dem Auge, und starre meinen Stuhl an. Aber ich bin nich ganz allein. Jetzt kann ich es spüren. Ein leises Kichern hat sie verraten. Die Angst hat sich zu mir gesellt. Sie hat meine Einsamkeit gespürt.
    Sie setzt sich auf meinen Stuhl, und bietet an die Verhandlungen zu eröffnen. Das ist sehr geschickt von ihr, denn sie weiß, das ich nicht wiederstehen kann, wenn sie Verhandlungen anbietet. Eine Weile gelingt es mir sie zu ignorieren, doch irgendwann will ich ihr beweisen, das sie nichts in mir verloren hat.
    Ich fordere sie heraus, verlache sie, befehle ihr mir ihre Macht zu zeigen, und die Angst bietet mir den Tod.
    Aber ich habe keine Angst vor dem Tod. Viel zu oft schon bin ich ihm begegnet. Ja ich arbeite sogar für ihn. Ich lenke eine 75 Tonnen schwere Kampfmaschine. Mit Partikelprojektorkannonen und Lasern bringe ich Zerstörung und Vernichtung auf Befehl. Ich bin sein Herold, ich bin sein Bote, ich bin seine Schachfigur. Nur zu gut weiß ich wie gnadenlos der Tod selbst zu denen ist, die ihm stets gut dienten. Nur zu gut weiß ich wie es ist beschossen zu werden, abgeschossen zu werden und dem Tode nahe zu sein. Nein, der Tod kann mich nicht schrecken.
    Die Angst auf meinem Stuhl weiß das natürlich, füttert mich vielleicht absichtlich mit Erfolgserlebnissen. Und dann kommt der Schmerz.
    Das zweite große Angebot der Angst, und schon viel besser gewählt. Während der Tod sich selbst schon durch seine Endlichkeit viel von seinem Schrecken nimmt, ist der Schmerz viel schlauer. Der Schmerz geht da ganz locker an die Sache ran, und sicher ganz ohne den Anspruch irgendwann wegzugehen. Ohja, ausgerechnet diese Empfindung besitzt oft ein gänzlich wiederwärtiges Treuegefühl. Aber auch das besiegt den Krieger in mir nicht. Schmerz kann man bekämpfen. Schmerz kann man besiegen. Ein Kämpfer sollte den Schmerz als das nehmen was er ist, ein körpereigenes Warnsignal, und sich nicht von ihm verrückt machen lassen.
    Triumphierend blicke ich wieder zu meinem Stuhl. Ich will der Angst meinen erneuten Sieg ins Gesicht schreien, aber sie ist weg.
    Ich bin wieder allein. Davor bekomm ich wirklich Angst. Und da merke ich, das sie garnicht da sein muß. Die Angst hat eine Wohnung in mir. Sie haust an diesem leeren Flecken, diesem kahlen Ort, zu dem man keinen lassen möchte, und den kaum jemand je zu Gesicht bekommt. An dem Ort, an dem meine Seele früher Urlaub machte.
    Savittri.

    Mauricio erwacht, und hat keinen Schimmer, was er da geträumt hat. Er fühlt sich schlecht. Ein Blick auf den Wecker zeigt 02:46, also noch gute zwei Stunden Schlaf. Sowas Bescheuertes auch. Und das, wo es die nächsten Tage nur einen Pilotensitz geben würde. Nach einigen Spritzern Wasser auf Gesicht und Kehle legte sich Mauricio wieder hin, und mit dem Gefühl, das er besser auf Neu Goa geblieben wäre, schlief er wieder ein. Wie es jetzt wohl in Sunavattrah aussah ?


    Ich hoffe, es hat euch ein wenig gefallen, diese Geschichte ist jedenfalls nicht die schlechteste, denk ich.

    LG Sam
     
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