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Sci-Fi / Fantasy Die Tiefe der Zeit - Andreas Brandhorst

Dieses Thema im Forum "Bücher" wurde erstellt von sonic_hedgehog, 10 Mai 2018.

  1. sonic_hedgehog

    sonic_hedgehog Ältester Magistrat Bücher, Filme, Musik Rezensionsredaktion

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    Titel: Die Tiefe der Zeit
    Autor: Andreas Brandhorst
    Aufmachung: Taschenbuch
    Seiten: 530
    Verlag: Piper
    Erscheinungsdatum: 01.03.2018
    ISBN-13: 978-3-492-70427-4

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    „Wir müssen stark sein. Wir dürfen nicht schwach werden. Niemals!“

    Die Menschheit hat sich über die Milchstraße ausgebreitet. Unter Nutzung der Hinterlassenschaften der X, eines Volkes über das fast nichts mehr bekannt ist außer einer Ahnung ihrer Machtfülle und des Rätsels ihres Verschwindens, hat die Menschheit diverse Planeten besiedelt. Für Reisen sind die Menschen auf die Fulkra (ein Fulkrum, mehrere Fulkra?) angewiesen – wieder in Betrieb genommene technische Großanlagen, mit denen der Transit durch Anomalien und über Lichtjahre hinweg möglich ist.

    Doch die Ausbreitung war alles andere als friedlich. Nicht nur die 92 Kernwelten werden unter eisernem Griff gehalten – auch auf den zahlreichen Randplaneten und neu besiedelten Planeten sorgen die Soldaten des Pakts dafür, dass sich aus eventuellen Ureinwohnern niemals eine Konkurrenz für die Menschheit entwickeln wird. Denn der seit Jahrtausenden andauernde Krieg gegen die Crul kostet bereits zu viele Opfer, als dass die Bereitschaft bestünde, weitere Fronten zu riskieren. Dabei wissen die Strateginnen des Paktes, dass die Jahrtausende letztlich nur Scharmützel waren – denn der Aufenthaltsort der Hauptstreitmacht des Feindes ist unbekannt – sicher ist einzig, dass sie irgendwann eintreffen wird. Und die Menschheit will und muss vorbereitet sein, wenn sie bestehen will. Und so hat sie auch sich selbst an den Krieg angepasst – wer viele Soldaten braucht, muss Kinder gebären. Insofern sind es Mütter, die in den entscheidenden Positionen sitzen, Mütter, die mehrere hundert Jahre alt waren und noch mehr Kinder gebären, die mit 6 Jahren bereits in der Lage sind, Krieger zu werden. Oder Taktikerinnen, Mütter, Strateginnen – je nach der Farbe ihres Blutes.

    Andreas Brandhorst eröffnet mit „Die Tiefe der Zeit“ auf einen neuen Bereich in den von ihm geschaffenen Universen (Multiversum?) – soweit für mich erkennbar unabhängig von allen anderen, jedoch nicht ohne, dass er sich einen kleinen Blick in die anderen verkneifen würde. Er nimmt uns mit in die Welt von Pizilla und Jarl, einer Strategin, die etwas überraschend zur Nachfolgerin von Ewora der Großen, der Suprema, wird und eines sechsjährigen Rekruten. Während Prizilla auf höchster Ebene Intrigen ausgesetzt ist und mit ihren Entscheidungen die Zukunft der Menschheit in den Händen trägt, ist Jarl primär überfordert. Er sieht sich selbst nicht als Soldat und wird auch von anderen für seine Schwäche verachtet – jedoch ist diese Entscheidung nicht seine, dies hat sein gelbes Blut für ihn entschieden. Und dennoch verbindet diese beiden gegensätzlichen Charaktere ein Band, das sich erst im Laufe der Geschichte enthüllt – das aber mit der mystischen Erde und einer dort zu findenden Waffe zu tun hat, die den Krieg beenden soll.

    Es wäre an dieser Stelle unfair, zu viel über die Story zu verraten. Daher nur so viel – sie ist voll von Verrat und Vertrauen und dem ein oder anderen unerwarteten Twist. Und voller Fragen.

    Und ja, man merkt, dass es sich um einen Roman handelt, der nicht übersetzt werden musste. Ein enormer Vorteil! Brandhorst hat seinen eigenen Stil, einen Stil, der sicherlich nicht jedem gefallen kann – mich aber gepackt hat. Und der mit Lust an der Sprache zu tun hat. Wobei ich gestehen muss, dass „Die Tiefe der Zeit“ meine Brandhorst-Premiere ist. Er schafft es, für den Leser eine Verbindung zu seinen Charakteren herzustellen – Mitgefühl und Verständnis für die Charaktere zu schaffen. Für mich etwas enttäuschend war, dass im ersten Drittel etwas der Zug zu fehlen schien – die Entwicklung des Universums und der Charaktere schien wenig synchron, fast etwas schleppend. Doch das ist ein temporäres Problem – wenn ungefähr im zweiten Drittel die Geschichte endgültig an Fahrt aufnimmt, ist dieser Anfang verziehen. Und dabei berührt sie fast im Vorübergehen extrem relevante Fragen: Welche Opfer darf eine Gesellschaft für ihr Bestehen bringen, ohne ihren Kern zu verlieren. Was bedeutet der Einzelne, wenn es um die Zukunft der Gesellschaft geht? Vielleicht ein speziell deutsches und schon deshalb ergreifendes Thema? Kann es Liebe im Angesicht des Untergangs geben? Und aus Sicht des SciFi-Fans: Ist Vergangenheit manipulierbar? Führt dies zu Paralleluniversen und wenn ja, was bedeutet dies?

    „Die Tiefe der Zeit“ ist ein toller Roman. Kein Roman, den ich auf einen Satz lesen konnte und wollte. Der sich sättigte. Aber wann immer ich ihn zur Seite legte, dauerte es nicht allzu lange, bis ich ihn wieder heranzog und wissen wollte, wie Brandhorst seine Idee weiterspinnen würde. Ein Roman, der mitunter etwas verwirrte, aber gerade im letzten Drittel dann doch das Zurseitelegen schwer machte. Und der mich, was immer ein gutes Zeichen ist, im Finale ein gutes Stück meines geliebten Nachtschlafs gekostet hat.

    Da mir der Vergleich fehlt, ist die folgende Aussage schwer begründbar – und dennoch: Wer (wie ich) Brandhorst bisher nur vom Namen her kannte, hat hier eine gute Chance, ihn kennen und lieben zu lernen. Ein Stand-Alone-Roman der Lust macht, auch die älteren Universen kennenzulernen. Ich habe wieder ein Projekt…

    Auch hier möchte ich den inzwischen fast obligatorischen Verweis auf die Seite des Verlags mit einer Leseprobe liefern, aber auch auf die Seite des Autors. Mein Dank gilt dem Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.



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    [37//40] - Handlung
    [37//40] - Stil
    [09//10] - Aufmachung
    [09//10] - Preis/Leistungs-Verhältnis

    92% - gesamt
     

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