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Erzählung Die Greifensteins – Frauen schwieriger Sorte

Dieses Thema im Forum "Reiseberichte" wurde erstellt von Aurelia, 22 Dezember 2011.

  1. Aurelia

    Aurelia Neubürger

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    Februar im Jahre 1023 – Burgund
    Die junge Frau öffnete schwer die Augen. Ihr Kopf schmerzte fürchterlich, und die ersten Bilder, die ihre Augen wahrnahmen, verschwammen zunächst. Irritiert blinzelte sie. Schwerer Rauch, gepaart mit dem Geruch von ebenso wuchtigen Wein lag in der Luft. Sie rieb sich ihre Augen und versuchte sich erneut ein Bild ihrer Umgebung zu machen. Die Wände waren aus Stein, auf dem Boden lag Stroh. Sie hörte das Knistern eines Feuers. Ja, es musste irgendwo ein Feuer brennen, denn erst jetzt bemerkte sie die wohltuende Wärme. Wie ist sie hier her gekommen? Wo war sie? Und vor allem: Wer war SIE? Ihr Kopf schmerzte. Instinktiv glitten ihre Hände zu diesem und massierten die schmerzende Stelle.
    Nun hörte sie Stimmen die immer näher kamen. „Oh, Mademosielle Greifenstein, Ihr seid erwacht, wie schön! Greifenstein?“ Die Dunkelhaarige sah sich irritiert um. Außer ihr war niemand da. War sie mit Greifenstein gemeint? Nun nahm die Stimme Gestalt an: Eine ebenso junge Frau stellte ein Tablett auf einem kleinen Tisch ab, und schenkte eine rote Flüssigkeit aus einem Krug in einen Holzbecher. Diesen reichte sie der verwirrten Frau. „Danke,“ sagte sie, nachdem sie einen vorsichtigen Schluck gewagt hatte.
    Schwerer Wein, dachte sie als sie einen erneuten Schluck nahm. Der Wein tat gut im Hals. Sie schien wohl eine Weile nichts mehr getrunken zu haben. Wieder fragte sie sich, was geschehen war. Als sie an sich herab blickte, sah sie, dass sie ein prächtiges Kleid trug, konnte sich aber nicht daran erinnern es angezogen zu haben. Sie konnte sich überhaupt an NICHTS erinnern.“Wo bin ich?“, fragte sie. „Wo Ihr seid? Auf Eurem Anwesen, auf Greifenstein in Burgund Mademoiselle Greifensein.“ Anwesen? In ihrem Kopf schienen hundert Pferde zu galoppieren. „Wer bin ich?“ Nun schien die andere Frau, die wohlmögliche einer ihrer Dienerinnen war, verwirrt zu sein. „Wer Ihr seid? Ihr seid Blendia von Greifenstein, Freiherrin von Greifenstein, Verlobte des Grafen Wolfram von Eschenau.“
    Blendia wurde es schwarz vor Augen. Nichts von dem was man ihr eben gesagt hatte, verstand sie.
    Wieso wusste sie nicht wer sie war? Sie hatte keine Erinnerungen an ihre Vergangenheit oder an sich selbst? Erst jetzt bemerkte Blendia, dass sie von der anderen Frau immer noch angestarrt wurde. Nun, wenn sie weiter einen verwirrten Geisteszustand preisgab, dann wusste sie nicht, was man mit ihr machen würde. Jetzt schien es ihr recht gut zu gehen, als Blendia. Sie dürfte sich nichts anmerken lassen. Vielleicht würden ihre Erinnerungen zurück kommen. Oder irgendetwas würde zurückkommen. „Natürlich, wie konnte ich das vergessen. Ich bin wohl zu sehr aufgeregt, wegen der bevorstehenden Hochzeit.“ Die Magd lächelte und verschwand wieder nach draußen.
    Blendia´s Hals schnürte sich. Hochzeit… mit wem? Sie kannte ja nicht einmal sich selbst. Vorsichtig strich sie über ihr Gesicht. Wie sie wohl aussah? Es fühlte sich zart an. Ihre Fingerspitzen glitten zu ihrem Haar, das hochgesteckt war. Sie löste die Klammern und sofort fiel das schwarze Haar auf sie herab. Erleichtert fuhr sie mit den Fingern durchs Haar, und verharrten an einer schmerzende Stelle am Kopf. An ihrem Hinterkopf war eine dicke Beule. Daher kamen die Kopfschmerzen.
    Blendia legte sich zurück. Wie es aussah, hatte sie ihr Gedächtnis verloren. Ihre Beule am Hinterkopf könnte dafür Verantwortlich sein.
    Abgesehen von ihrer bevorstehen Hochzeit, mit einem Mann den sie nicht kannte, hatte sie eine Menge vor: Sie musste herausfinden wer sie war.


    ------


    Einige Wochen lebte sie schon hier in der Provence. Vermutlich lebte sich schon länger dort, erinnerte sich jedoch nicht daran.
    Blendia gefiel das Leben auf dem Anwesen sehr gut, auch wenn ihr ständige Kopfschmerzen, sowie die Gedanken an ihre imaginäre Vergangenheit das Leben schwer machten.
    Sie konnte nicht sagen wer sie war und woher sie kam, daher hatte sie sich entschlossen das Spiel zu spielen, dass irgendjemand für sie gelegt hatte.
    Eine Gräfin hatte viele Aufgaben. Doch im Laufe der Zeit merkte sie, dass sie vieles beherrschte wovon sie eigentlich nichts gewusst hatte. Zum einen sprach sie mehrere Sprachen. Das Schreiben war ihr nicht fremd. Legte sie die Feder an, so war es, als tanze sie, zusammen mit ihren Fingern über das Pergament. Das Leben am Hofe schien ihr ebenfalls nicht fremd zu sein. Es musste ihr niemand erklären, wie man sich benahm. Und trotzdem schien ihr harte Arbeit nichts auszumachen, im Gegenteil, sie bereitete ihr sogar Freude.
    Blendia vernahm schnell, dass sie ein unbewusstes großes Wissen der Heilkunde besaß. Als sie zufällig durch den Kräutergarten ging, erkannte sie sofort die Pflanzen, die ihre Kopfschmerzen lindern würden. Auch die Zubereitung der Tees waren ihr nicht unbekannt.
    Anfangs hatte sie sich Gedanken darüber gemacht, wieso und weshalb sie solche Sachen wusste, doch irgendwann merkte sie, dass es einiges an Kraft kostete, wenn sie jeden Stein umdrehte und sowieso nichts fand.
    Am 16. September im Jahre 1024 heiratete sie den ihr bisher unbekannten französischen Grafen Wolfram von Eschenau.
    Es war merkwürdig ein Leben zu leben dass, wie sie glaubte, nicht ihres war. Es fühlte sich falsch an, die Frau von diesem Mann zu sein. Wolfram war kein schlechter Mann gewesen, im Gegenteil: Er machte ihr den Hof, trug ihr unendlich schöne Gedichte vor und benahm sich vorbildlich.
    Doch sie liebte ihn nicht.
    Neun Monate später brachte Blendia einen Sohn zur Welt. Lukas.
    Doch auch das Kind brachte sie nicht näher zu ihrem angetrauten Mann, im Gegenteil. Lukas entwickelte sich nicht so, wie man es von einem Kind erwartete. Er sprach nicht. Nicht eine Silbe brachten seine Lippen hervor.Er weinte auch nicht. So entschied Wolfram von Eschenau den Jungen der Kirche zu übergeben, da er fest davon überzeugt war, dass Satan seine Finger im Spiel hatte.
    An jenem Tag, an dem die Kutsche den Hof in Richtung in ein, ihr unbekanntes Kloster, verließ, entschied sich Blendia von Greifenstein, das ihr vorgegebenes Leben selbst in die Hände zu nehmen.
    Mit nicht mehr, als sie am Leibe trug, verließ sie das Anwesen und begann ein neues Leben.
     

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