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Brettspiel Kohle - Mit Volldampf zum Reichtum

Tufir

Drachling
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Kohle – Mit Volldampf zum Reichtum


Die Welt steht am Beginn eines neuen Zeitalters: der Industriellen Revolution. Fabriken entstehen, Waren werden produziert, Kanäle zur Verschiffung von Gütern gegraben, Eisenbahnverbindungen gebaut.

Die Industrielle Revolution nahm ihren Anfang in England, und dort besonders in der Grafschaft Lancashire, in der auch dieses Spiel angesiedelt ist. Die Spieler müssen die Strategie herausfinden, die zum Sieg führt. Errichten sie Baumwollspinnereien oder entwickeln sie neue Technologien? Graben sie Kanäle und errichten Eisenbahntrassen? Oder produzieren sie Kohle oder Stahl?

Ein anspruchsvolles Aufbau- und Wirtschaftsspiel, das die Spieler mit Volldampf zum Reichtum führt.


Soweit die Produktbeschreibung!

Beim Auspacken des Spiels fällt dem Käufer eine Unmenge an Material in die Hände. Der Spielplan ist aus dicker Pappe und sehr hübsch gestaltet. Die gewohnte Faltung in 4 Teile ist schon Gewohnheitssache. Die Spielfiguren sind aus Holz und lassen nichts zu wünschen übrig. Weitere Spielmarker sind aus Pappe, recht stabil. Auch hier ist die Gestaltung ansehnlich, aber die Informationen wirken teilweise doch recht gepresst und bei schlechtem Licht oder schlechten Augen kann man öfter mit ansehen, wie sich ein Spieler eine Lupe wünschen würde. Die Plastikplättchen in zwei Farben, die das Spielgeld darstellen sind jedoch sehr lieblos. Hier wäre es besser gewesen, das Produkt ein oder 2 Euro teurer zu machen und diese Plättchen wenigstens auch noch bedrucken zu lassen.

Die Spielanleitung ist 16 Seiten lang und selbst mit guten Deutschkenntnissen dauert es mal gut 1 bis 2 Stunden, bis man die Details des Spiels verstanden hat. Nicht falsch verstehen, das Deutsch ist einwandfrei, aber die Regeln wirken doch sehr komplex und die Erklärung ist irgendwie nicht gut. Wenn ein Spieler dann soweit ist, spielt man am besten los und lernt es „on the fly“! Dies funktioniert aber dann doch besser und das Spiel entwickelt eine recht eigene Dynamik und auch sehr bald schon den entsprechenden Spaß.

Der Spielablauf gliedert sich in 2 Perioden (Die Kanalperiode und die Eisenbahn-Periode), jede Periode in 4 Phasen und die 2. Phase jeder Periode in mehrere Aktionen. Ziel des Spiels ist es, durch den Aufbau von Industrien in den verschiedenen Städten und den passenden Verbindungen dazwischen, sich ein gewisses Polster für die Punktwertungen am Ende jeder Periode anzuschaffen. Dabei darf man aber nicht übersehen, dass auch das eigene Einkommen wichtig ist, sonst ist Essig mit dem Bauen. Je nach Periode sind auch die Baumöglichkeiten beschränkt. Während die Kanalperiode es nicht zulässt, dass ein Spieler pro Stadt mehr als eine Industrie baut, muss man für die Eisenbahnperiode zusehen, dass man veraltete Technologie los wird. Auch ist es wichtig, dass man „alte“ Industrie, die man während der Kanalperiode auf dem Spielplan baut, möglichst aufrüstet, sonst ist man diese am Ende der Periode wieder los – sie wird sozusagen durch Veralterung dem Verfall übergeben. Eine weitere witzige Regel ist die, die dafür sorgt, dass die Reihenfolge der Spieler nicht immer gleich bleibt, sondern wechselt. Wer in der einen Runde das meiste Geld ausgegeben hat, muss dann in der nächsten als Letzter ran und umgekehrt. Dies sorgt zusätzlich für Spannung durch strategisches Nachdenken.

Die Spielidee durch Aufbau und Strategie zu Reichtum und Punkten zu gelangen ist nicht neu. Das Prinzip mit der Gliederung der einzelnen Spielphasen jedoch schon. Nachdem man das Spiel einmal verstanden hat, kommt schnell Spaß auf und Hobbystrategen als auch Fans von Wirtschaftssimulationen kommen dann voll auf ihre Kosten. Der Zufallsfaktor ist recht gering, lediglich durch die willkürliche Verteilung der Baukarten kann es schon mal sein, dass man sich ärgert, gerade jetzt keinen Hafen in Liverpool bauen zu können. Aber die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es soweit kommt, ist nicht sehr hoch. Eine Interaktion der Spieler untereinander ist nicht gefordert und beschränkt sich ähnlich dem „Mensch ärgere dich nicht“ darauf, sich genau doch dann zu ärgern, wenn der Vorgänger seine Industrie oder seinen Handelsweg genau dorthin baut, wo man doch selbst gerade hin bauen wollte. Die Angabe der Spieldauer ist mit bis zu 180 Minuten aber zumindest für Spielanfänger deutlich zu kurz geraten

Mein Fazit fällt am Ende durchweg positiv aus. Wären da nicht die etwas komplizierte Anleitung und die lieblose Gestaltung des Spielgeldes hätte „Kohle“ durchaus das Potential für mehr. Trotzdem vergebe ich für Das Preis-/Leistungsverhältnis, die Idee und die Umsetzung 8 Punkte! Wer mal eine andere Art von strategischer Wirtschaftssimulation spielen will, liegt mit diesem Spiel genau richtig.


Viel Spaß beim Zocken wünscht
Tufir


Diese Rezension entstand in freundlicher Zusammenarbeit von DSA-Fantasy.de und RPG.Foren.com. Vielen Dank an den Pegasus Verlag!
 
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