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Videospiel Hellblade - Senua's Sacrifice

Dieses Thema im Forum "Brett- & Videospiele" wurde erstellt von Marc Aurel, 15 August 2017.

  1. Marc Aurel

    Marc Aurel Gelehrter Magistrat Brett- & Videospiele Rezensionsredaktion

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    Quelle: spieleteufel.com


    Genre: Action/ Rätsel
    Plattform: PC/ PS4
    Entwickler/ Publisher: Ninja Theory/ Ninja Theory
    Release: 08.08.2017


    Hallo zusammen,

    in der vergangenen Woche ist Hellbalde - Senua's Sacrifice (ausschließlich digital) erschienen und hat für ordentlich Wirbel in der Videospiel-Szene gesorgt. Grund hierfür sind nicht die Handlung oder das Spielprinzip, sondern die Tatsache, dass sich das Spiel mit dem Tabu von Geisteskrankheiten in Spielen beschäftigt.


    Handlung und Spielprinzip

    Die namensgebende Pikten-Kriegerin Senua macht sich auf, Ihren Liebsten Dillion aus der nordischen Unterwelt Hel zu retten, nachdem dieser einen gewaltsamen Tod gefunden hat.
    Was sich zunächst nach einer belanglosen und generischen Geschichte anhört, entwickelt sich bereits im Intro zu einem sehr beklemmenden Spiel, das komplett von der Norm abweicht.

    So beginnt Hellblade mit einer Fahrt auf einem Baumstamm durch dichten Nebel, während derer Senua von Stimmen begleitet wird, die mal schreckhaft, mal zynisch aber auch aggressiv jeden Schritt - und zwar wirklich jeden Schritt - kommentieren. Wer hier an lustige Zwiegespräche zur Fortführung der Handlung denkt, kann gar nicht weiter daneben liegen.
    Senua leidet an einer Psychose und die Stimmen stellen verschiedene Facetten ihres Geistes dar. Sie weisen den Spieler an bestimmten Stellen zaghaft auf Rätsel hin oder warnen in Kämpfen vor Angriffen aus dem Toten Winkel. Vor allem aber erzeugen sie eine derart dichte Atmosphäre, dass der Spieler sich im Spiel geradezu verliert.

    Hellblade wagt zudem das Experiment, komplett auf Anzeigen und ähnliche Bildschirmelemente zu verzichten, sodass der Spieler einzig über die das Hör- und Sichtbare agieren kann und eine starke Immersion entsteht.
    Dies wird vor allem bei den Rätseln deutlich, welche die Kampfpassagen überwiegen und anfangs sehr abwechslungsreich gestaltet sind.
    So sind neben diversen optischen Rätseln, in welchen bestimmte Punkte aus der richtigen Perspektive betrachtet oder vorgegebene Symbole in der Umgebung gefunden werden müssen, auch erfrischend ungewöhnliche Aufgaben zu meistern.
    Eine Aufgabe ist in beinahe kompletter Dunkelheit zu absolvieren, wobei sich Spieler nur nach Gehör navigieren und so Wegen folgen oder Gefahrenquellen ausweichen muss.
    Eine weitere Aufgabe führt uns auf einen düsteren Weg, in dessen Schatten sich ein Unwesen versteckt, welches nur von Licht ferngehalten werden kann. Sollte Senua zu lange in der Dunkelheit verweilen, wird sie Opfer des Ungeheuers und beginnt beim letzten Speicherpunkt.
    [​IMG]
    Quelle: 7images.cgames.de

    Apropos Speicherpunkte: das Spiel speichert an vorgegeben Stellen automatisch, sodass ein Ableben nicht weiter tragisch wäre. Jedoch wird Senua zu Beginn ihrer Reise von einer mysteriösen Dunkelheit befallen, welche zunächst nur ihre rechte Hand befällt, sich aber bei jedem Bildschirmtod weiter den Arm hinaufarbeitet.
    Sobald der Kopf erreicht wurde, ist das Spiel vorbei und ein neuer Anlauf ist zu starten...das hört sich zunächst sehr hart an, verstärkt in Wirklichkeit aber die dichte Atmosphäre unglaublich und (Achtung: massiver Spoiler!!!)
    führt gar nicht zum Tode...egal wie oft man stirbt

    Dies hat vor allem Einfluss auf die Kämpfe gegen die verstorbenen Nordmänner, da die Kämpfe anfangs recht leicht sind, aber zum Schluß hin aufgrund der steigenden Gegnerzahl sehr schwer werden und man froh ist, von den Stimmen im Kopf Warnungen zu erhalten.
    Das Kampfsystem ist einfach, aber beinhaltet verschiedene, kombinierbare Angriffs- und Verteidigungselemente, die vor allem in den Boss-Kämpfen auch dringend benötigt werden.
    Der Schwierigkeitsgrad lässt sich jederzeit im Menü anpassen, sodass frustverursachende Kämpfe recht schnell absolviert werden können.
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    Quelle: 7images.cgames.de


    Umfang und Präsentation

    Hellblade bietet ausschließlich eine Einzelspielerkampagne mit ca. 8 -10 Stunden Spielzeit, wobei Sammelgegenstände in Form von Lorestones eine zusätzliche Motivation darstellen können. Diese berichten von allerlei Geschichten der Edda und sind jeweils an die aktuelle Aufgabe angelehnt.
    Da das Spiel von seiner Handlung und Atmosphäre lebt, ist der Wiederspielwert relativ gering, sobald die Rätsel geknackt wurden.

    Die Grafik beruht auf der Unreal4-Engine und ist einfach wunderschön. Leider ist ein Großteil des Spiels sehr düster gehalten, sodass die Grafik ihre volle Pracht gar nicht richtig entfalten kann. Doch gerade bei abrupten Änderungen der Wahrnehmung, beispielsweise bei den immer wiederkehrenden Wahnvorstellungen und Flashbacks wird ein Umgebung erzeugt, die ans Psychedelische grenzt.
    Auch die Vertonung ist außergewöhnlich, denn nicht nur die musikalische Untermalung, sondern vor allem die Stimmern in Senuas Kopf erzeugen eine dermaßen bedrohliche Atmosphäre, dass dem Spieler nicht nur einmal das Herz bis zum Hals schlägt und man Gänsehaut bekommt.
    Hellblade verzichtet dabei jedoch auf plumpe Schockmomente und allzu plastische Ekeleien...aber Zartbesaitete seien darauf hingewiesen, dass man sich durch die Hölle der Wikinger bewegt und es dort dementsprechend nicht zimperlich zugeht!
    Das Spiel selbst sollte dringend mit Kopfhörern gespielt werden, damit der hochwertige 3d-Surround-Ton seine volle Bandbreite erreicht.
    [​IMG]
    Quelle: hellblade.com

    Sobald das recht offene Ende erreicht wurde, bleibt der Spieler mit vielen Fragen zurück. Hierfür haben Ninja Theory ein Entwicklervideo erstellt, welches unter den Extras abrufbar ist (und erst nach dem Spielen angeschaut werden sollte).
    In diesem Video wird die Entwicklung des Spiels vor allem im Hinblick auf eine glaubwürdige und nachvollziehbare Erfahrung von Psychosen und Schizophrenie dargestellt. Während der gesamten Bearbeitungszeit wurden Fachleute für Geisteskrankheiten der Universität Cambridge hinzugezogen und haben entscheidend bis zur Fertigstellung mitgewirkt.


    Licht und Schatten

    Hier eine kurze Zusammenfassung über das Für und Wider:

    + unglaublich dichte Atmosphäre
    + wunderschöne Grafik
    + tolle 3d-Vertonung (v.a. mit Kopfhörern)
    + einfaches, aber interessantes Kampfsystem
    + gute Bosskämpfe
    + wendungsreiche und fesselnde Geschichte
    + jederzeit anpassbarer Schwierigkeitsgrad
    + sehr günstig

    - sehr kurze Kampagne (ca. 8-10 Std)
    - viel Lauferei und Backtracking
    - keine Kapitelauswahl nach Abschluß der Kampagne
    - Rätsel teilweise zu einfach und repetitiv
    - Kämpfe gegen Ende des Spiels beinahe unfair
    - Umgebung meist sehr düster und eintönig


    Fazit und Wertung

    Hellblade - Senua's Sacrifice ist beinahe kein richtiges Spiel, sondern eher ein künstlerisches Experiment.
    Wer knackige Rätsel oder fordernde Kämpfe mit einer epischen Geschichte erwartet, sollte eher Abstand von einem Kauf nehmen.
    Die Aufgaben - seien es nun Rätsel oder Kämpfe - stellen eigentlich nur den roten Faden dar, an welchem sich die Protagonistin zur Selbstfindung entlang hangelt. Das Spiel hat sehr viele kontemplative und metaphysische Aspekte und mir ist auch nach dem Durchspielen nicht so richtig klar, ob die Handlung nicht vielleicht doch nur in Senuas Kopf stattgefunden hat.
    Die anfangs recht geradlinige Liebesgeschichte wandelt sich im Laufe von Senuas Reise durch die (ihre eigene?) Hölle zu einer sehr hintergründigen Aufarbeitung der Vergangenheit.
    Ein absolutes Hammerspiel, auf das man sich einfach einlassen muss, um es würdigen zu können.

    [46/50] - Spielspaß
    [15/20] - Aufbau/ Handlung
    [19/20] - Grafik/ Sound/ Bedienung
    [10/10] - Preis/Leistungs-Verhältnis
    90% - Gesamt

     
  2. Marc Aurel

    Marc Aurel Gelehrter Magistrat Brett- & Videospiele Rezensionsredaktion

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    Sony hat die Verkaufscharts für August veröffentlicht und Hellblade ist ganz an der Spitze :D
    Ein toller Erfolg für den kleinen, englischen Entwickler und vollkommen verdient...die Überquerung der Brücke der Toten wird mir für immer als eine der besten Szenen/ Spielabschnitte aller Zeiten in Erinnerung bleiben: der Kampf gegen die Wikinger bei einem epischer Musik während Sturm und wellen gegen die Brücke peitschen...unglaublich!!!
     

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