• RPG-Foren.com

    DIE Plattform für Fantasy & Sci-Fi Rollenspiele

    Ihr findet bei uns jede Menge Infos, Hintergründe zu diesen Themen! Dazu Forenrollenspiele, Tavernenspiele, eigene Regelwerke, Smalltalk und vieles mehr zu bekannten und weniger bekannten RPG-Systemen.

Geschichten aus aller Welt(en)

Screw

Helfende Hand
Spielleiter Forenrollenspiel
Blogger
Vorredner
Beiträge
10.637
Punkte
238
Dungeons & Dragons 5 - Dunkle Feder - Teil 5.1 "15 Wahrheiten"

Die Abenteurer bleiben vier Wochen. Sie erzählen von ihren Erlebnissen und Erfahrungen, und im Gegenzug berichtet Linda von den ihren, auch davon, wie es sich ergeben hat, dass sie menschliche Eltern hat. Ihre Tante und ihr Cousin befinden sich an diesem Abend bereits im Bett.
„Hrm“, macht Hrodger darauf hin, „na das nenne ich tatsächlich mal ein Novum. Und du bist nicht ein Mal auf den Gedanken gekommen, deine Eltern zu rächen?“
Linda verdreht die Augen. „Was soll das bitte bringen? Mein Bruder hat meine leibliche Mutter getötet, um sich für die Gräuel unserer Vorfahren zu rächen, daraufhin hat mein leiblicher Vater ihn getötet um seine Frau zu rächen, was dazu führte, dass mein Vater seinen Sohn gerächt hat. Wenn ich jetzt ihn aus Rache töten würde, dann müsste meine Mutter wiederum mich aus dem gleichen Grund töten. Und was bleibt dann? Eine einsame Witwe, die ihr Ziehkind ermordet hat.“
Stille senkt sich über die Runde und erst ein raues Kichern löst das betretene Schweigen wieder auf. Hrodger wirft der Halbork-Frau einen finsteren Blick zu. Diese lächelt belustigt und sagt ein Wort, welches Linda nicht versteht. Hrodger tut das mit einer wegwerfenden Handbewegung ab und wendet sich wieder an Linda. „Viele meines Volkes würden dich dafür verfluchen, dass du mit dieser Aussage das Andenken ihrer Ahnen in den Schmutz gezogen hast.“
„Ja, ich weiß“, antwortet sie achselzuckend. „Eure Art liebt es, ihren persönlichen Groll über Generationen zu hegen und zu pflegen. Aber mir scheint, dass ihr auch niemanden respektiert, der euch nicht mindestens einmal so richtig übers Ohr oder ins Gesicht gehauen hat.“
Jetzt wirft sich die Halbork-Frau lachend gegen ihre Stuhllehne. Hrodger hingegen ist alles andere als amüsiert und fährt seine Partnerin an. „Halt’s Maul, Mushina!“ Die angesprochene drückt sich den Handrücken gegen den Mund, grunzt aber immer noch ein wenig weiter.
Hrodger richtet sich drohend auf. „Was, bei den acht Verrätern, weißt du von MEINEM VOLK! Du hast keine Ahnung, was du da von dir gibst, und wäre ich hier nicht Gast und du kein Kind ...“ Den Rest lässt er ungesagt, aber es ist offensichtlich, was er damit angedeutet.

Linda ist ehrlich erschrocken, wird dann aber selbst wütend. Sie dreht sich abrupt um und stürmt aus dem Raum. Während alle im Raum aufgeregt durcheinander zu reden beginnen, tragen sie ihre forschen Schritte direkt in ihr Zimmer. Mit ein paar schnellen Handgriffen hat sie alles zusammen, was sie braucht, geht wieder zurück und knallt vor Hrodger eine Schriftrolle auf den Tisch.
„Was soll ...“, beginnt dieser, aber Linda unterbricht ihn.
„Sagt mir, dass das hier nicht der Wahrheit entspricht und ich entschuldige mich sofort.“
Seinen finsteren Blick auf Linda gerichtet, rollt Hrodger das Pergament auf, dann sieht er auf den geschriebenen Text und schnaubt verächtlich. „Ein Märchen? Soll das ein Witz ...“
„Nicht das“, Linda wird ungeduldig. „Die andere Seite.“
Hrodgers Zorn wird von leichter Irritation abgeschwächt. Er besieht sich die Rückseite des Schriftstückes kurz und dreht es wieder zurück. „Ich weiß nicht, was du ...“
Linda macht einen Schritt vor, reißt Hrodger den Text aus der Hand und legt ihn mit der Rückseite nach oben auf den Tisch. Dann nimmt sie die Öllampe auf dem Tisch und hält sie knapp darüber. „Das hier.“
Hrodger wirkt jetzt mehr genervt als wütend, beugt sich aber dennoch über die scheinbar leere Fläche und kneift die Augen zusammen. Dann runzelt er die Stirn, nimmt das Pergament in die eine Hand, die Öllampe aus Lindas in die andere und beginnt zu lesen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Screw

Helfende Hand
Spielleiter Forenrollenspiel
Blogger
Vorredner
Beiträge
10.637
Punkte
238
Dungeons & Dragons 5 - Dunkle Feder - Teil 5.2 "15 Wahrheiten"

„Das ist die Geschichte von Moradins Strafe. Woher weißt du was da geschrieben steht?“ Jetzt blickt er sie direkt an, seine Wut verschwindet fast und macht Misstrauen Platz.
„Ich kann die zwergische Sprache verstehen und lesen, wenn ich mich konzentriere. Sagt mir jetzt, ob das, was hier steht wahr ist oder nicht.“
Einige Augenblicke lang ist der Unwille in der ganzen Statur des Zwerges zu sehen, doch schließlich sinken seine Schultern herab und alle Anspannung weicht einer resignierenden Haltung. Hrodger stellt die Lampe auf dem Tisch ab und rollt das Pergament langsam zusammen, dann legt er dieses neben die Lampe und lässt sich wieder auf seinen Sitz sinken. „Es ist alles wahr.“ Sein Blick ist auf unsichtbare Bilder gerichtet. „Wir haben uns in Stolz und Hochmut verloren. Haben alle Reden und Taten verteufelt, die uns unsere Grenzen aufzeigen wollten. Haben auf andere Völker herabgesehen, uns in die Hoheit unserer Gebirge zurückgezogen und alles Fremde abgelehnt. Wir führten Kriege aufgrund eingebildeter Beleidigungen und verletztem Stolz. Als Moradin, unser Schöpfer, das sah und seine Warnungen von unseren Ohren abprallten, ließ er uns graben. So lange, bis wir so tief gegraben hatten, wie kein sterbliches Wesen je graben sollte.“
„Und da habt ihr eines der Portale gefunden.“ Linda will mehr hören.
Hrodger nickt. „Ja, aber nicht im Ganzen, es war zerstört. Wir gruben alle Stücke aus, schleppten sie auf den höchsten unserer Gipfel und setzten es dort als Zeichen unserer Überlegenheit zusammen. Welch Narren wir waren, wir haben den Krieg über diese Länder gebracht. Den absoluten Krieg.“

Ein verächtliches Grunzen lässt alle zu Mushina aufsehen. „Ihr Zwerge. Selbst in eurer Demut seid ihr noch hochmütig.“
„Was willst du damit sagen. Glaubst du ich lüge?“ Wieder zuckt rechtschaffener Zorn über Hrodgers Gesicht.
„Schwachsinn“, sie wirft ihren Kopf herum. „Hielte ich dich für einen Lügner, würde ich nicht für dich arbeiten. Aber ihr wart nicht die einzigen, die ein Portal errichtet hatten.“
Samuel, Gloriana und Lindas Onkel folgen der Unterhaltung ebenfalls gebannt, Hrodger schüttelt leicht ungläubig den Kopf. Linda fordert Mushina mit einer Handbewegung dazu auf, weiter zu sprechen.
„Auch die Orks haben Götter, und sie respektieren Stärke und Macht. Ein arkanes Artefakt aus der Urzeit? Ein besseres Werkzeug, um genau das zu erreichen gibt es wohl nicht. Viele Stämme haben sich gegenseitig die Köpfe eingeschlagen, um an alle Teile zu kommen. Irgendwann haben sich die letzten verbündet um das Portal zusammenzusetzen. Ende der Geschichte.“
Linda will eben noch nachbohren, Fragen zu Details und zeitlichen Angaben stellen, aber die Stimme ihres Onkels hält sie zurück.
„Es gibt ein Lied das von einer Legende in T’u Lung erzählt. Darin ist auch von einem Tor die Rede, welches in eine andere Welt führen soll.“
Linda blickt von ihrem Onkel zu Hrodger, zu Mushina und dann zu ihren Eltern. „Mama, Papa“, sagt sie nach kurzem Nachdenken, „ich muss in die Stadt. In die Bibliothek.“
 
Zuletzt bearbeitet:

Screw

Helfende Hand
Spielleiter Forenrollenspiel
Blogger
Vorredner
Beiträge
10.637
Punkte
238
Dungeons & Dragons 5 - Dunkle Feder - Teil 6.1 "18 Meilen"

Es gibt nicht mehr viel zu sagen, diskutiert war in den letzten Wochen ausgiebig geworden und das Ergebnis stand eigentlich von Beginn an fest. Was bleibt, sind Blicke, Gesten und wohlmeinende wie sorgenvolle Wünsche.
„Schreib’ uns“, flüstert Gloriana ihrer Tochter bei der wohl hundertsten Umarmung zu.
„Als könnte ich meine Hand davon abhalten“, ist die lachende aber von Wehmut durchzogene Antwort Lindas.
Eine Hand auf Glorianas Schulter zu legen ist alles, was Samuel tut, um sich auch das Recht einer letzten Zärtlichkeit für eine Lange Zeit mit seinem kleinen Bock zu erbitten. Wortlos und mit feuchten Augen lässt sie von Linda ab und diese verschwindet nahezu in den bärengleichen Armen ihres Vaters. Ein Kuss an die übliche Stelle auf der Stirn sagt alles, was er mit Worten nicht auszudrücken vermag, dann hält er sie auf Armeslänge vor sich, blinzelt seine eigenen Tränen fort und lächelt stolz. Linda versteht wie so oft und lächelt zurück. Ihre Augen weinen zu sehen ist ein seltener Anblick und stets von neuem wundersam anzusehen, da es ihnen einen seltsamen Glanz verleihen.
Hrodger versucht das ganze zu ignorieren und beschäftigt sich mit der Optimierung der Gepäcksverteilung auf den Pferden. Mushina steht entspannt an einen Baum gelehnt in der Nähe und betrachtet die Szene mit undefinierbarem Ausdruck im Gesicht.
Das bringt ihr ein gegrummeltes Kommentar des Zwerges ein. „Willst du mir nicht helfen?“
„Wobei? Dinge zu überprüfen die bereits fünf Mal überprüft wurden?“ Ihr Blick wendet sich nicht von der kleinen Familie ab, auf Hrodgers mögliche Gründe für sein Verhalten geht sie nicht ein – ein leidiges Thema, das sie sicherlich nicht selbst anschneiden wird.
„Hmph“, ist die ganze Reaktion darauf.
Linda löst sich schließlich mit den Worten „Ich liebe euch“ von ihren Eltern und tritt zu den beiden Abenteurern. „Ich danke euch für eure Geduld, verehrte Reisekameraden, ich bin nun auch bereit für die Abreise.“
Die Kriegerin nickt knapp und geht zu ihrem Pferd. „Dann los.“
„Hmph“, ist alles, was Hrodger dazu sagt und dabei klettert er auf seinen Esel.
Gleich und Gleich gesellt sich gern, denkt Linda amüsiert bei sich, aber sie hütet sich davor das laut zu sagen. Hrodger ist stur und missmutig, aber auch begeisterungsfähig und fürsorglich, weshalb sie den Vergleich nicht negativ sieht. Dennoch, es wird selten wohlmeinend aufgenommen, wenn man jemanden mit einem Esel vergleicht.
Als alle aufgestiegen sind und Linda ihren Eltern noch ein letztes Mal zugewunken hat, brechen die, nun drei, Abenteurer auf. Ihr erstes Ziel ist die Stadt, Hrodger hat dort ein Treffen mit einem gnomischen Animateur vereinbart, der Geleitschutz benötigt und für einen Preisnachlass bereit ist, seine Beziehungen zugunsten Lindas Wissenssuche spielen zu lassen. Die Aussicht auf neue Erfahrungen und neues Wissen erregen sie im Zusammenspiel mit ihrer ersten Reise ohne Familie so sehr, dass sie nach kurzer Zeit ihre Laute zur Hand nimmt. Da ihr Tier entspannt dem Esel Hrodgers folgt, wickelt sie die Zügel locker um den Sattelknauf und macht es sich im Schneidersitz bequem. Nach ein paar Probeakkorden und leichten Justierungen an den Stimmwirbeln, beginnt sie mit der Melodie eines Wanderliedes und lässt die Melodie, begleitet von ihrer sanften Stimme, über die Landschaft gleiten. Es dauert nicht lange, da stimmt auch Mushina mit ein, ihr brüchiges Alt offensichtlich untrainiert aber nicht ungeübt, und zaubert damit ein fröhliches Lächeln auf Lindas Lippen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Screw

Helfende Hand
Spielleiter Forenrollenspiel
Blogger
Vorredner
Beiträge
10.637
Punkte
238
Dungeons & Dragons 5 - Dunkle Feder - Teil 6.2 "18 Meilen"

„Oh ihr Götter, können wir nicht einfach still reisen?“, ist daraufhin Hrodger genervt zu vernehmen, was Mushina gleich wieder verstummen lässt.
Linda spielt weiter, die Melodie nimmt allerdings einen schnippischen Ton an. „Musik zu machen hilft mir, meine Gedanken zu sortieren.“
„Dann spiel leise.“
Irgendwie vermag es der letzte Akkord der Laute, spöttisch zu klingen, aber die junge Bardin hängt sich das Instrument wieder auf den Rücken. Allerdings zieht sie dafür eine Flöte aus ihrer Tasche und setzt diese an die Lippen. Der Zwerg funkelt sie finster an und öffnet eben den Mund um etwas harsches zu sagen, doch als Linda mit wiegenden Schultern zu spielen beginnt, ist kein Ton zu hören. In der Annahme, dass sie ihn entweder verhöhnen will oder seiner Aufforderung gefolgt ist, schnaubt Hrodger nur verächtlich und dreht sich wieder nach vorne.
Mushina ist allerdings neugierig, lenkt ihr Tier näher an das der Musikerin heran und lehnt sich mit dem Ohr zu Linda hinüber. Es ist wirklich nichts zu hören, dabei ist klar zu sehen, dass sie wirklich spielt – Schultern, Bauch und Brustkorb arbeiten ganz deutlich und blasen Luft durch das Instrument, aber nicht einmal das leiseste Säuseln ertönt. Als sich die Halb-Ork wieder aufrichtet, streckt sie stumm die Hand aus und Linda legt ihr nach einem kurzen Augenblick die Flöte in dieselbe. Ein paar Augenblicke lag studiert Mushina das einfach gearbeitete Stück Holz, wendet es hin und her und dreht es mehrmals in ihren Fingern. Schließlich hebt sie es an ihre Lippen und probiert selbst ... nichts. Selbst als sie mit sichtbarer Kraft hinein pustet, Linda zuckt dabei kurz zusammen und kann ein überraschtes Kichern nicht unterdrücken, kommt kein Geräusch aus den Löchern. Irritiert dreht sich auch Hrodger wieder zu den beiden Frauen um und, als er den Ausdruck auf dem Gesicht seiner Begleiterin sieht, beobachtet diese interessiert.

„Wo habt ihr die her?“, fragt Mushina Linda und gibt die Flöte zurück. Stimmlage und Intonation lassen die geübten Ohren des Zwerges klingeln – hier gibt es ein verdeckte Informationen, und verdeckte Informationen sind das, worin er gut ist. Auch er lenkt sein Reittier näher heran und hört aufmerksam zu und beobachtet.
Linda nimmt die Flöte wieder an sich und betrachtet sie mit einem distanzierten Blick. „Ich habe sie von meinen Eltern,“ ihre Stimme nimmt eine eigentümliche Qualität an, „von meinen Geburtseltern. Sie war mit mir zusammen in das Tuch eingewickelt in dem mich meine Mutter getragen hatte als sie starb.“ Wider erwarten lächelt sie dann. „Irgendwie passend, dass sie keinen Ton macht, meint ihr nicht?“ Sie muss nicht hinsehen um zu wissen, dass Hrodger ihr eine Frage stellen will. „Natürlich habe ich Nachforschungen angestellt, aber nichts herausgefunden.“
Jetzt grinst dieser und richtet sich in seinem Sattel auf, Mushina verdreht ihre Augen. „Und schon geht’s los.“
„Was für eine glückliche Fügung, dass du mir begegnet bist, meine Liebe. Wenn es um fruchtlose Nachforschungen geht, hättest du es nicht besser treffen können. Ich bin ein Experte darin, Dinge herauszufinden die sich nicht herausfinden lassen wollen.“
„Ist das der Grund dafür, warum ihr ohne die Hilfe meines Onkels nicht mehr weiter gewusst habt und es mehrere Jahre gedauert hat ihn aufzuspüren?“, wirft ihm Linda grinsend hin.
Mushina schmunzelt, diese Art Wortgeplänlel hat sich zwischen den beiden im Laufe der letzten Monate eingestellt und irgendwie hat es tatsächlich dazu geführt, dass der Zwerg die junge Tiefling respektiert.
Die Geste, die er dieser gegenüber eben als Antwort zeigt, ist Beweis genug. „Willst du meine Hilfe oder nicht, du Niederhöllengezücht?“
„Wie könnte ich das Angebot eines Edelmannes ablehnen, der sogar die ausgewählten Blutlinien meiner Herkunft preist?“
„Bah“, ist die einzige Reaktion darauf bevor Hrodger seinen Esel wieder mehr antreibt.
Mushina lacht einfach nur. „Eine Reisegefährtin wie dich hätten wir schon viel früher gebraucht, Linda.“
 
Oben Unten