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Sci-Fi / Fantasy Die Magier - Kinder der Ewigkeit

yggdrasil

Bürgertum
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Vor langer, langer Zeit wurde eine Gruppe von Staatsmännern und Weisen aller Länder der bekannten Welt von Nol auf die seltsame Insel Ji geladen. Er wollte ihnen eine wichtige Nachricht mitteilen. Doch alle Teilnehmer verschwanden. Jahre später tauchten einige von ihnen wieder auf und weigerten sich über Ihre Reise zu sprechen. Die Nachkommen dieser Gruppe, die Gemeinschaft der Erben, traf sich jedes Jahr auf der Insel. Doch auch nach mehreren Generationen war es ihnen nicht gelungen, hinter das Geheimnis der Insel zu kommen. Plötzlich sind die Erben nicht mehr sicher – ein Unbekannter hat die fanatischen Züu bezahlt, um an den Erben das Urteil der Göttin zu vollstrecken. Oder etwas „unreligiöser“ ausgedrückt: Jemand bezahlt Meuchelmörder mit vergifteten Dolchen, um die Erben auszurotten. Doch warum? Was könnten sie wissen, das sie so gefährlich macht? Und für wen sind sie überhaupt so wichtig?

Für die verbliebenen Erben Bowbaq, Corenn, Léti, Reyan, Lana und Grigán, sowie Yan, dem angehenden Magier, ist dies ein Rätsel. Sie versuchen nicht nur vor den mörderischen Züu zu fliehen sondern auch all die Fragen zu klären. Diese Reise beginnt in Kaul und führt sie quer durch die Länder rund um das Mittenmeer.

Im vierten Band nun, lichtet sich das Geheimnis nach und nach. Die Erben haben viele Fehlschläge hinter sich, viele Abenteuer erlebt und Gefahren überstanden. Nun haben sie Nol gefunden. Doch was er ihnen offenbart ist unfassbar. Denn wenn all dies wahr ist, ist ihr (mittlerweile bekannter) Feind unbesiegbar. Denn er hat einen Gott bei sich. Einen Gott, den er selbst geformt und großgezogen hat. Der ihn als Vater und Vertrauensperson sieht. Und dieser Feind hat die barbarischen Völker jenseits des Gebirges zu einer monumentalen Streitmacht zusammengeführt. Und er wartet nur auf den rechten Augenblick um Unglück und Tod über die Länder zu bringen. Mehr denn je scheint alles so sinnlos. Was sollen sieben unbedeutende Menschen gegen so eine Übermacht ausrichten?

Zu Beginn erstmal ein paar Worte zum Ende des Buches. Spätestens in der Mitte des Bandes denkt der Leser: Das kann doch nicht alles gewesen sein? Wie soll denn die Geschichte auf diesen paar Seiten noch ein vernünftiges Ende finden? Oder sollte das Ende einfach „dahingeklatscht“ sein? So tolle Ideen und so ein schlechtes Ende? - Aber keine Sorge: Pierre Grimbert lässt seine Leser nicht hängen. Zwar gibt es ein spannendes Ende. Aber so richtig zuende ist die Geschichte nicht. Die nachfolgende Reihe heißt „Die Krieger“ und ist bereits im Heyne Verlag erschienen.

Der Inhalt des vierten Bandes schließt nahtlos an den dritten Band („Die Magier – Götter der Nacht“) an. Der gesamte Verlauf ist wie aus einem Guss. Keine Brüche im Erzählstil, keine Änderungen an Satzbau und Wortwahl. Langsam fangen die Hauptpersonen wieder an sich zu entwickeln. In diesem Band sind die Beziehungen zwischen den Protagonisten wichtig. Zarte Liebe entwickelt sich und auch wenn der eine oder andere sich zu zieren scheint und Desinteresse vortäuscht – der Autor kann nicht verbergen wie dieser Teil der Geschichte ausgeht. Leider wird hier einiges recht plakativ beschrieben, es wirkt manchmal etwas unbeholfen gerade was die Entwicklung der Liebe angeht. Über die Gedanken der Figuren lässt und Grimbert leider viel zu oft im Dunkeln oder reißt sie nur skizzenhaft an. Dies gilt auch für einige andere Szenen im Buch. Einerseits sicherlich gut, muss man doch keine überflüssigen, epischen Beschreibungen über sich ergehen lassen. Andererseits wäre es schon schön, wenigstens ab und zu mehr Details zu erfahren.

Sprachlich gibt es weiterhin keine Überraschungen. Inhaltlich gibt es ein paar Stolpersteine, aber eventuell liegt das auch an der Übersetzung, die manchmal den Sinn eines Satzes im Dunkeln lässt. Die Ideen hinter der Handlung könnten durchaus von dem Philosophen Ludwig Feuerbach und seinen Thesen beeinflusst sein. Auch dieser hatte eine Vorstellung vom Entstehen von Gott. Grimbert erweitert dies um die Vorstellung, dass viele Götter so entstehen können. Auf jeden Fall ein spannendes Thema. Leider wird es manchmal nicht besonders gelungen umgesetzt. Trotzdem eine Reihe, die sich zu lesen lohnt.

Pierre Grimbert war zunächst Bibliothekar. In Bordeaux studierte er dann Buchwissenschaften und Publizistik. Heute lebt er im Norden Frankreichs, Sein Erstlingswerk „Die Magier“ wurde in Frankreich bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet, z. B. mit dem „Prix Ozone“ als bester französischer Fantasy-Roman. Seine Liste an Publikationen ist mittlerweile sehr umfangreich. Leider sind bisher nur die „Magier“- und die „Krieger“-Reihe übersetzt und in Deutschland veröffentlicht worden. Bleibt zu hoffen, dass die anderen Romane ebenfalls bald auf deutsch erscheinen.

Übersetzt hat auch diesen Band Sonja Finck und außerdem Nadine Püschel. Letztere erhielt 2004 den Stefan-George-Preis. Nadine Püschel, geb. 1979, absolvierte den Studiengang „Literaturübersetzen“ an der Heinrich-Heine-Universität. (Quelle: Stefan-George-Preis)

Vielen Dank an den Wilhelm Heyne Verlag, der diese Rezension ermöglichte.
 
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