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Krimi / Thriller Armageddon, W. Hohlbein

brathahn satan

Heldenhaft
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40
Titel: Armageddon
Serie:
Armageddon-Epos (wird evtl. noch aktualisiert)
Autor: Wolfgang Hohlbein
Genre(s): Endzeit-Thriller, Dystopie
Aufmachung: gebundene Ausgabe
Seiten: 600
Format:14,9 x 4,2 x 22,7 cm
Verlag: Piper
Erscheinungsdatum: Oktober 2017
ISBN-13: 978-3492704410
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Inhalt:
Auf dem Flug nach Israel begegnet Beka dem gleichermaßen faszinierenden wie undurchschaubaren Luke. Doch bevor sie sein Geheimnis ergründen kann, zerreißt eine gewaltige Druckwelle das Flugzeug. Das Undenkbare ist geschehen: Eine Atombombenexplosion vernichtet weite Teile Israels. Aber Beka und Luke überleben. Sie finden sich in einem unterirdischen, verlassenen Tempel wieder, der von geheimnisvollen Symbolen übersät ist.
Doch auch die Oberfläche ist geheimnisvoll, eine Kinderbande haust in den Ruinen der Altstadt, beschützt von einem Engel. Nachts treiben sich Dämonen herum und Mutanten, sogenannte Zeloten und Magog streifen durch die Ödnis vor der Stadt. Die Heranwachsenden haben sich in ihr Schicksal ergeben doch Beka möchte es nicht als gegeben hinnehmen, dass nichts mehr außerhalb Isreals existieren soll. So stellt sie Fragen und versucht sich selbst ein Bild von der Katastrophe zumachen, wobei sie prompt den Zeloten in die Hände fällt, und in eine richtige Stadt in der Wüste verschleppt wird. Hier lernt sie die Gegenseite kennen, die ihr nur als Wilde beschrieben wurden. Der Engel Zadkiel jedoch versammelt eine Armee aus gläubigen Menschen um sich und eilt in die Wüste um Beka zurückzuholen.


Erläuterungen und Kritik:
Wolfgang Hohlbein erschafft sich in Armageddon eine eigene Welt. Das schafft er, in dem er die Alte noch im Prolog verschwinden lässt. Mit einer Atombombenexplosion. Ab dem ersten Kapitel begleitet der Leser die Protagonistin durch eine zerstörte Welt, in der es nichts mehr zu geben scheint. Abgesehen von giftigem Regen, verbrannten Ruinen und vielen weiteren Gefahren.

Auf ihrer ganz persönlichen Odyssee durch ein postnukleares Jerusalem wird schnell klar, dass Beka sich selbst ihre Fragen beantworten muss. Die offensichtlichsten Fragen was genau passiert ist oder weshalb Beka erst nach sieben Jahren „aufgewacht„ ist, werden nicht mal angesprochen.
Zwar versorgt sie der Stamm „Benjamin“ zu dem sich die Kinder zusammengeschlossen haben mit dem Nötigsten. Aber das auch erst auf Geheiß des Engels hin. Sie eckt durch ihre infrage stellende Art auch an, so dass sie sich unter den wenigen Überlebenden nicht nur Freunde macht. Beka werden Antworten versprochen allerdings zieht sich eine solche Antwort ewig hin und wirft meist wieder neue Fragen auf.

Bei einem solchen Buchtitel wie Hohlbein ihn gewählt hat, ist klar, dass das Thema Religion zumindest eine kleine Rolle spielt. Ohne aufdringlich zu sein, werden viele Fragen mit Hilfe von religiösen Erzählungen erklärt. Beispielsweise weshalb Beka jeden verstehen kann, die Antwort darauf ist denkbar einfach und wird von den Kindern als selbstverständlich angenommen.

Zitat
„Wie viele seid ihr? Hundert?“
„Viel mehr“, sagte Thora. „Warum?“
„Weil ich sie alle verstehe“, sagte Beka. Wenigstens die, die ihr begegnet waren. „Und sie mich. Müssten sie nicht Hebräisch sprechen?“
„Und Chinesisch und Englisch und ungefähr hundert andere Sprachen“, bestätigte Thora und schüttelte zugleich den Kopf. „Aber die gibt es nicht mehr. So wenig wie alle anderen.“
„Was soll das heißen, diese Sprachen gibt es nicht mehr?“, echote Beka verdutzt.
„Der Fluch Babels“, erwiderte Thora in einem Ton, als hätte sie eine wirklich außergewöhnlich dumme Frage gestellt.

Auch werden die Kinder von dem schwarzen Engel mit Wasser und einer grauen Speise, Manna genannt, versorgt. Außerdem werden die Kinder von ihm im Kampf unterrichtet um in der Zeit der Entrückung, die nun angebrochen ist, eine Chance gegen die Zeloten zu haben. Diese Kämpfe sind, Hohlbein typisch, blutig und nicht nur einmal fliegen Körperteile durch die Gegend.
Hohlbein führt seine Heldin durch ein karges Umfeld, in dem Entbehrungen an der Tagesordnung sind. Auch der Leser hat sich auf Entbehrungen einzustellen, wird doch weniger als eigentlich nötig erklärt. So zieht sich die Erklärung was denn ein Zelot, in Hohlbeins Israel eigentlich sei, über nicht weniger als 120 Seiten hin.

Aber gerade dadurch entsteht ein Spannungsbogen, der sich über das gesamte Buch hinzieht, durch angedeutete Erläuterungen wird der Leser an das Buch gefesselt, sodass man beginnt, eigene Rückschlüsse und Vermutungen zu ziehen. Hohlbein nutzt geschickt die patzige Art, die pubertierende Teenager sooft an den Tag legen. Dadurch ist es ihm nachvollziehbar möglich eine ernst gemeinte Frage damit zu beantworten, dass der Gefragte eine freche Erwiderung und keine richtige Antwort erhält. Die vielen offenen Fragen und lang gezogen wirkende Handlung wird durch einen kurzen Satz im inneren Einband eventuell erklärt: der Auftakt zum großen Armageddon-Epos. Man darf sich also auf weitere Teile freuen.

Mich hat es schon ein wenig gestört, dass so viele Fragen nicht geklärt werden, dass verringert aber nicht den Unterhaltungswert des Romans. Auch sind mir mehrere Fehler, in Form von falschen Buchstaben aufgefallen, schade, wenn aus was war, wird oder Beka plötzlich Beta heißt.

Gefallen haben mir die zahlreichen Filmzitate wie: „Die Antwort lautet 42, das ist die Antwort auf alles.“ oder „Geht voraus, edler Connor McLeod, und sucht mir heiligen Boden. Und denkt immer daran: Es kann nur einen geben.“
Auch dass die Religion nicht zu sehr im Mittelpunkt steht, hat mich gefreut.

Der Einband ist weiß mit einer dunklen Tuschezeichnung einer geflügelten Silhouette bedruckt und passt gut zum Buch. Die Kapitellänge ist angenehm und die einzelnen Kapitel nochmals feiner unterteilt. Schriftgröße, Zeilenabstand und Format sind durchschnittlich proportioniert und angenehm für das Auge. Die Bindung und das Lesezeichenband sind, wie der Buchtitel, blutrot gehalten.

Fazit:

Spannende Endzeitgeschichte, die mit religiösem Hintergrund eine Tiefe erhält, die noch nicht ganz ausgeschöpft ist. Packende Kämpfe mit Dämonen und Mutanten. Hohlbein hat mit Armageddon eine Welt geschaffen, die gleichermaßen abschreckt und fasziniert. Ein stimmiges Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte. Wie oben erwähnt darf man sich auf weitere Teile freuen. Vorkenntnisse in Religion sind nützlich, aber nicht zwingend nötig.
Lesern, die nicht gern im Unklaren sein wollen, rate ich von dem Buch ab.



Vielen Dank an den Piper-Verlag, der die Rezension dieses Werks ermöglichte.

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[37/40] - Handlung
[32/40] - Stil
[9/10] - Aufmachung
[7/10] - Preis/Leistungs-Verhältnis
85%- gesamt
 
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