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Brettspiel Arkham Horror - Schatten über Innsmouth -

Voltan

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Arkham Horror – Schatten über Innsmouth –


Worum geht´s?
Bei „Schatten über Innsmouth“ handelt es sich um eine Erweiterung für das Horror-Brettspiel „Arkham Horror“. Wobei Innsmouth eine Hafenstadt darstellt, die auch schon in einer gleichnamigen Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft eine gewichtige Rolle spielte. Arkham Horror und Schatten über Innsmouth spielen in der Welt von Cthulhu, die eben dieser H.P. Lovecraft Anfang des 20. Jahrunderts in mehreren Kurzgeschichten und Erzählungen entstehen ließ und in den folgenden Jahrzehnten von weiteren Autoren weitergesponnen wurde. Noch heute findet man sein Werk in unzähligen Romanen, Computerspielen, Filmen und auch Rollenspielen wieder. So gehört Call of Cthulhu zu den erfolgreichsten und bekanntesten Pen & Paper-Rollenspielen weltweit.
Die Welt, die Lovecraft beschreibt, ist unserer auf dem ersten Blick sehr ähnlich. Meist spielen diese Geschichten in den 20´er bis 30´er Jahren. Doch gut verborgen hinter der scheinbar normalen Fassade tummeln sich finstere Kreaturen, Monster und Dämonen, die der Menschheit nichts Gutes wollen. Normale Menschen werden aus ihrem gewohnten Leben gerissen, weil sie plötzlich mit der schrecklichen Wahrheit konfrontiert werden: Der Tatsache, dass es auch übersinnliche Wesen gibt und diese nicht nur in billigen Horrorromanen existieren.
Nicht wenige verlieren bei dieser Erkenntnis den Verstand. Andere jedoch stellen sich dem Wahnsinn entgegen und kämpfen mit den wenigen Mitteln die ihnen zur Verfügung stehen, um ihr Leben.
Die größte Gefahr besteht aber immer im Erwachen der großen Alten, wie z.B. Cthulhu selbst, oder auch andere (kaum besser auszusprechende) Kreaturen. Sie alle besitzen unglaubliche Macht und können die Welt zum erzittern bringen. All die „niederen“ Monster, mit denen sich die Protagonisten auseinandersetzen müssen, sind eher wie Gefolgsleute anzusehen, die aber nicht im geringsten an die Macht der großen Alten heranreichen.

Arkham Horror ist ein kooperatives Spiel, bei dem die Spieler gemeinsam gegen den jeweiligen großen Alten vorgehen. Im Spiel sind mehrere dieser finsteren Kreaturen enthalten, so dass jedes Spiel unterschiedliche Taktiken erfordert. Aber auch die weniger mächtigen Kreaturen, wie Untote, Dämonen uvm. erscheinen durch Dimensionstore an mehreren Orten und breiten sich langsam über die gesamte Stadt aus.
Die Aufgabe der Spieler ist es, die niederen Kreaturen zu bekämpfen und die Dimensionstore zu verschließen, bevor der große Alte erwacht. Denn wenn dies geschieht, müssen sie mit vereinten Kräften einen fast aussichtslosen Kampf gegen diesen ausfechten und hoffen, dass sie obsiegen werden. Denn sonst ist Arkham und wohl auch der Rest der Welt verloren.

In Schatten über Innsmouth wird ein neuer (kleinerer) Stadtplan an den Basisplan angelegt und weitere große Alte, wie auch Spielercharaktere (und natürlich eine Unmenge an zusätzlichen Karten, Maker und Monster) ins Spiel gebracht.



Inhalt
Wie schon das Basisspiel glänzt auch „Schatten über Innsmouth“ mit überaus hochwertigem und schön illustriertem Material. Der Spielplan passt zwar grafisch zum größeren Hauptplan, ist aber etwas detaillierter gezeichnet. Während beim Basisplan (in der deutschen Fassung) die Stadt unter einer Art Dunstschleier verborgen scheint, ist es bei Innsmouth wesentlich klarer gezeichnet. Dies stellt jedoch keinen großen Bruch im Grafikstil dar und wird nur besonders detailverliebten Spielern auffallen. Im Großen und Ganzen passt der neue Plan sehr schön zum Hauptspiel und fängt die zu vermittelnde Atmosphäre sehr gut ein.
Auch die vielen neuen Spielkarten, Ermittler-und Monsterbögen, wie auch das restliche Material sind in gewohnt hochwertiger Qualität gestaltet und vermitteln ein schönes Spielgefühl.
Ebenfalls im Spiel sind nun zwei Vorboten-Bögen, die das Spiel um die Variante „Vorboten“ erweitern und damit ein weiteres spannendes Element einbringen.

Das Spiel
Arkham Horror ist kein leichtes Spiel. Vielmehr gehört es tatsächlich zu den extrem komplexen Brettspielen. Viele kleinere, wie auch größere Regelabläufe sind zu beachten und stellen besonders Spielanfänger vor einer sehr großen (manchmal auch unüberwindlichen) Hürde. Mit Innsmouth wird das Regelkonstrukt noch mal erweitert, da hiermit noch weitere Änderungen und Neuerungen beachtet werden müssen. Schon alleine deshalb empfiehlt sich die Erweiterung nur für diejenigen, die Arkham Horror schon mehrmals gespielt haben und sich mit den Grundregeln vertraut gemacht haben.
Denn hat man erst die Regelhürde überwunden, eröffnet sich den Spielern ein unheimlich (im wahrsten Sinne des Wortes) gutes Spiel mit vielen Möglichkeiten und großer spielerischer Freiheit. Es zeigt dabei eine starke Nähe zum bekannten Rollenspiel (Call of Cthulhu); auch hier gibt es unterschiedliche Charaktere (hier Ermittler genannt), die ebenso unterschiedliche Fähigkeiten aufweisen (Kampf, Wille, Wissen usw.). Diese Werte kann man zwar nicht steigern, man kann sie jedoch in einem kleineren Rahmen während des Spiels ändern. Je nachdem welche Fähigkeiten wohl eher benötigt werden, können einige erhöht werden, während man gleichzeitig andere um den gleichen Wert verringern muss. So bedeutet zum Beispiel eine Erhöhung der Stärke, eine gleichzeitige Verringerung des Willens.
Der Spieler muss also in jeder neuen Runde genau überlegen, welche Werte er abändern möchte und dies in Abhängigkeit seiner Planung sorgfältig abwägen.

Innsmouth bringt nun eine neue Stadt ins Spiel, die nur über einen Bahnhof und gleichzeitiger Zahlung eines Dollars zu erreichen ist. Diese Stadt ist weitaus stärker von den Mächten des Mythos korrumpiert, als dies in Arkham der Fall ist. Allerdings kann man versuchen mit Hilfe des FBI´s, den Einfluss zurückzudrängen. Mit den Tiefen Wesen werden auch neue Monster eingeführt, die sich nun schwimmend fortbewegen.
Neu sind auch die persönlichen Ziele der Ermittler (auch für die Ermittler des Basis-Spiels sind persönliche Ziele vorhanden) und einige andere kleinere Ergänzungen, deren Beschreibung jedoch diesen Rahmen sprengen würde.


Fazit
Es gibt kaum ein Brettspiel, das so dicht an einem Rollenspiel herankommt, wie Arkham Horror. Zwar bleibt es von seinen Mechanismen und Abläufen immer noch ganz klar ein Brettspiel, aber die spielerische Freiheit, die tolle Atmosphäre und der sehr dicht erzählte Hintergrund sorgen immer wieder für typische Rollenspiel-Momente. Alleine die vielen stimmigen Hintergrundtexte in den unzähligen Karten, lassen die Spieler tief in eine andere Welt eintauchen. In der Erweiterung wird dieses Element noch weiter ausgebaut, da hier jeder Ermittler noch einen ganz persönlichen Hintergrund erhält, den er im Laufe des Spiels nachgehen sollte. So sucht zum Beispiel eine Ermittlerin ihren Vater, der scheinbar von finsteren Kreaturen verschleppt wurde. Wird der Vater lebend gefunden, erhält der Spieler eine entsprechende Belohnung. Falls aber der Vater nur noch tot geborgen werden kann, muss der Ermittler schmerzhafte Einbußen hinnehmen.
Wenn sich die Spieler auf diese Elemente und die Texte einlassen, und nicht nur ein Brettspiel „as usual“ abwickeln, eröffnet sich ihnen ein atmosphärisch sehr dichtes Spiel, das sehr motivierend und spannend sein kann.
Mit der Erweiterung wird Arkham Horror noch ein weiteres Stück intensiver, aber auch gefährlicher. Zu zweit wird man das Spiel kaum gewinnen können (hier sollten beide Spieler wirkliche Experten sein). Am besten sollte man mindestens zu viert in Arkham und Innsmouth unterwegs sein. Ganz entscheidend hierbei ist die Absprache unter den Spielern. Nur gemeinsam wird man einen Sieg erringen können. Die Spieler sollten und müssen sich untereinander absprechen welchen Part jeder Ermittler zu erledigen hat. Sie müssen sich immer wieder gegenseitig helfen und unterstützen, sonst ist jedes Spiel zum Scheitern verdammt.

Die Grundregeln bleiben weitgehend unverändert. Insbesondere das tolle Fertigkeitensystem weiß hierbei zu gefallen. Die Spieler sammeln Waffen, Artefakte und Zaubersprüche. Für viele Dinge benötigen sie Dollar, die man allerdings nur selten zur Genüge besitzt.
Auch kann man fahrbare Untersätze (wie ein Automobil, Motorrad u.ä.) erwerben, oder durch Glück erbeuten. Diese bieten den Vorteil, dass sich der Ermittler schneller fortbewegen kann und nicht nur auf seinen eigenen Geschwindigkeitswert angewiesen ist (denn in diesem Spiel bewegt man seine Figuren nicht durch Würfel, sondern mittels der jeweiligen Geschwindigkeitswerte weiter).
Abgesehen von seinem Leben, kann der Ermittler jedoch auch „geistige Gesundheit“ verlieren. Bei jeder Begegnung mit einer Kreatur des Mythos, muss der Ermittler eine „Horrorprobe“ ablegen. Hierbei wird eine Fertigkeitsprobe auf den Willenswert des Ermittlers (ggf. erschwert um die Horrorstufe des Monsters) gefordert. Bei einem Versagen, verliert der Spieler (bzw. sein Ermittler) ein, oder mehrere Punkte „geistige Stabilität“. Ein Ermittler, der keine geistige Stabilität mehr besitzt, wandert unverzüglich in die Irrenanstalt und verliert die Hälfte seiner Ausrüstung und seiner Hinweismarker, bevor er als geheilt entlassen wird. Auch hier findet man deutliche Anleihen zum Cthulhu-Rollenspiel.

In Innsmouth ist das FBI ein wichtiger Helfer, da man mit deren Hilfe das Auferstehen der Tiefen Wesen verzögern kann. Ist aber erst die Ausgangssperre über den Stadtteil ausgesprochen, müssen sich auch die Ermittler mit großer Vorsicht durch die Straßen bewegen. Gelingt ihnen in bestimmten Orten keine Schleichenprobe, werden sie von der Polizei aufgegriffen und ins Gefängnis geworfen.

Mit dem neuen Stadtteil, den zusätzlichen großen Alten, den Vorboten, den neuen Monstern, dem FBI und vielen weiteren Neuerungen, verspricht „Schatten über Innsmouth“ weiter anhaltende Motivation, neue Herausforderungen und damit auch auf lange Sicht hohen Spielspaß. Der relativ hohe Preis, ist bei diesen vielen neuen hochwertigen Elementen durchaus gerechtfertigt.

Das Spiel selbst bleibt letztlich Vielspielern vorbehalten, da nur diese wohl über genug Muse und Erfahrung mitbringen, sich in die vielen Regeln und (Kleinst-)Mechanismen einzulesen. Doch auch nur jene werden das Privileg genießen dürfen, eines der vielschichtigsten und intensivsten Brettspiele zu erleben…und mit Schatten über Innsmouth ein weiteres spannendes Kapitel aufschlagen zu können!

Für Fans eine klare Kaufempfehlung und somit verdient sich „Schatten über Innsmouth“ auch spielend den „Goldenen Würfel“ der rpg-foren.

Wir danken dem Heidelberger Spieleverlag, der uns diese Rezension ermöglicht hat.
 

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