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Drakensang
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Patientenbericht Friedrich Theophil BachsteinDies ist das Thema Patientenbericht Friedrich Theophil Bachstein bei The Thompsons als Teil vom Tagebuch der Spielgruppen. |
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Patientenbericht Friedrich Theophil Bachstein - 2
... nachdem wir dem Horror des Schwarzwalds entkommen waren, verspürten wir das dringende Bedürfnis, unseren gebeutelten Seelen etwas Erholung zukommen zu lassen. Ein Aufenthalt in meiner alten Studienstadt Tübingen schien uns dafür sehr geeignet. Daher machten wir (Lord Henry James III, Cherry O’Conner und ich) uns auf die Reise. Am Tage unserer Ankunft erfuhren wir, dass in Tübingen gerade der berühmte Jahrmarkt stattfindet. Daher beschlossen Henry und Cherry, diesen aufzusuchen und sich zu amüsieren, während ich der angenehmen Pflicht nachkam, mein altes Institut und meinen geschätzten Doktorvater aufsuchte.
Ein sehr angenehmer Tag wurde jedoch, und ihr werdet einsehen, dass wir vom Unglück verfolgt waren, durch die Nachrichten getrübt, die mir meine Freunde nach meiner Rückkehr mitzuteilen hatten. Der Tag, an dem sie den Jahrmarkt aufsuchten, war auch genau der, an dem der Jahrmarkt vom ersten Unglück überschattet wurde. Sie waren gerade im Spiegelkabinett gewesen, welches im Verlauf der Geschichte noch eine große Rolle spielen sollte, wo ihnen die ersten Merkwürdigkeiten auffielen. Nicht nur, wurde das Kabinett von einem eigentümlichen, gelb-schwarz gekleideten, dunkelhäutigen Zwerg geführt, der auf einen grausigen Leierkasten spielte, auch die Spiegel schienen Schatten und Gesichter zu zeigen, welche sich in der Realität nicht wiederfanden. Als sie jedoch den Betreiber bezüglich ihrer Eindrücke befragen wollten, vertröstete dieser sie und die folgenden Ereignisse sollten ihren Wunsch nach einem Gespräch in den Hintergrund rücken. Eine Gondel des Kettenkarussells löste sich aus ihrer Verankerung und erschlug ein kleines Mädchen. Geschockt ob der Ereignisse, welche nun wahrlich nicht der Beruhigung ihrer angegriffenen Nerven dienten, machten sich meine Freunde auf den Heimweg. Dabei trafen sie auf einen älteren, sehr stark betrunkenen Mann. Da sie ihm nicht zutrauten, allein in seine Pension zu finden, begleiteten ihn meine Freude dorthin. Der Mann erzählte eine wirre Geschichte, deren Inhalt mir nicht im Gedächtnis geblieben ist, und übergab ihnen mit den Worten, bei ihm seien die Dokumente nicht sicher, seine Aktentasche. Ein flüchtiger Blick in diese offenbarte, dass der Mann seit fast 70 Jahren jedes Unglück, das sich auf Jahrmärkten ereignet hatte, dokumentiert hatte und in einen Zusammenhang gestellt hatte. Mir ist bewusst, wie sich das für sie anhören muss – auch ich habe schließlich nicht anders reagiert, allerdings sollten mich die folgenden Ereignisse eines Besseren belehren. Wir beschlossen daher am nächsten Morgen, den Herrn aufzusuchen und ihn zu den Inhalten seiner Tasche zu befragen. Doch – und inzwischen weiß ich, dass der Fortgang der Ereignisse unvermeidlich war – öffnete auf unser Klopfen an der Tür des Zimmers des Herrn niemand. In berechtigter Sorge überzeugten wir die Wirtin der Pension die Türe zu öffnen. Mein Mund weigert sich, Euch einen genaueren Bericht über das Grauen zu geben, welches wir erblicken mussten. Ein blick in die Zeitungen dieser Tage jedoch sollte Euch als Beleg reichen. Der Herr war tot, auf grausame Weise in seinem Zimmer hingerichtet – überall Blut, so viel Blut... Ich weiß noch, dass wir von der Polizei befragt wurden, aber natürlich keine Hinweise liefern konnten. Wir zogen uns in ein ruhiges Kaffeehaus zurück und inspizierten, nun von Schrecken und Neugier getrieben den Inhalt der Aktentasche. Was wir gefunden haben, sollte einen bösen Verdach in uns nähren. Wir fanden neben der Dokumente zu den Unglücken auch noch Dokumente, die darauf hinwiesen, dass all diese Unglücke sich nur auf Jahrmärkten ereignet hatten, auf welchen auch das beschriebene Spiegelkabinett und dessen Betreiber zugegen waren. Ja, auch mir ist bewusst, dass dies nicht möglich sein sollte, die Dokumente jedoch sprachen eine andere Sprache. Daneben fanden wir noch die Kopie einer Tafel voller babylonischer Schriftzeichen, einen lateinischen Text und eine Sammlung verschiedenster Sagen und Mythen. Der lateinische Text berichtete von einem gelben König, der nicht allein regiere, sondern einen Schatten als Gesandten habe und für den – und diese Passage fanden wir sehr interessant – die Gaukler aus Iusae feierten. Von diesen seien in Babylonien (und die Tafel sollte uns, als wir sie dann entziffert gelassen hatten nichts anderes sagen) zwei gerufen worden waren und die Wahnsinn und Tod brachten. Seht ihr den Zusammenhang? Nein, ich werde mich nicht beruhigen! Ich – so lasst mich doch ausreden, ich setze mich ja wieder... Bezüglich der Tafel wandten wir uns in der Folge an die Universität, wo wir die Hilfe meines Doktorvaters in Anspruch nahmen, da die Bibliothek Wochenendes geschlossen war. Er vermittelte uns an einen seiner Kollegen, welcher privat viel Zeit mit babylonischer Geschichte verbrachte, uns jedoch – auch wenn er sich viel Mühe gab – bis zur Kumulation der Ereignisse zu keinen Erkenntnissen verhelfen konnte. Außerdem fand sich in der Tasche auch noch ein weiterer Hinweis: Im Rathaus Tübingens fand eine Ausstellung eine bekannten Heimatmalers statt. Auf dieser fangen wir eine Bleistiftskizze, die zum Zeitpunkt des ersten dokumentierten Unglücks entstanden war – eines Großbrandes auf dem Tübinger Jahrmarkt, bei dem mehrere Kinder starben – das überlebende Kind war interessanterweise unser kürzlich verstorbener Bekannter. Und auf dieser Skizze fand sich ein Bild des meinen Freunden vertrauten Spiegelkabinetts und des Gauklers... Getrieben von all dem entschlossen wir uns, auf den Jahrmarkt zurückzukehren und in einem Gespräch mehr über den Gaukler herauszufinden. Nachmittags jedoch war dieser nicht aufzufinden, weswegen wir uns den restlichen Tag anderweitig vertrieben und das Grauen in unseren Köpfen bekämpften. Abends kehrten wir zurück und gingen direkt zum Spiegelkabinett. Jedoch sollten wir dieses nicht erreichen, denn das uns verfolgende Grauen begann erneut. Wir sahen den Gaukler noch aus seinem Zelt kommen und sahen, wie er mit einem diabolischen Grinsen begann, auf seinem Leierkasten zu spielen. Diese Melodie – ich höre sie immer noch, sie scheint Besitz von mir zu ergreifen, ich muss, ich muss ahh... Ich habe mich wieder gefangen, entschuldigen sie meinen Ausbruch, aber die Bilder in meinem Kopf, es sind so grausame Erinnerungen... Er fing an zu spielen und der Jahrmarkt verwandelte sich in ein Schlachtfeld – jeder prügelte auf jeden ein, keine Gnade, kein Erbarmen. Es war wie auf den Schlachtfeldern vor Verdun... Wir entkamen gerade noch mit unserem Leben, bevor die Polizei den Ort des Geschehens erreichte und beschlossen, des nachts an den Ort des Geschehens zurückzukehren. Ich weiß bis heute nicht, wie viele Tote diese Schlacht gekostet hat. Nachts also schlichen wir uns zurück... Dichter Nebel hing über dem Festplatz, fast, als wolle Gott, oder wer auch immer, einen Schleier über das geschehene legen. Wir bewegten uns wieder auf das Spiegelkabinett zu... Plötzlich erblickte ich beim Kettenkarussell ein kleines Mädchen. Ein kleines Mädchen! Mitten in der Nacht. Ich ging auf die kleine zu, um sie zu fragen, ob sie sich verlaufen habe. Da wandte sie mir ihr zerstörtes Antlitz zu, es war die Kleine, die von der Gondel getötet worden war. Und als sie mich berührte, durchlief mich ein kalter Schauer und ich wusste, dass mich der Tod berührt hatte. Und dann öffnete sie den Mund und wollte mit mir spielen, spielen... Und dann erschien auch der, den wir gesucht hatten – der Gaukler und er begann auf seinen Leierkasten zu spielen. Und wieder brach das Grauen los – aus allen Richtungen kamen sie, die Geister der Toten. Sie trieben uns in das Zelt, Widerstand war zwecklos. Und so rannten wir, das Grauen im Nacken in die Falle. Denn eine Falle war es ganz offensichtlich. Die Spiegel erwachten zu Leben und die Spiegelbilder traten ins Leben. Sämtliche Hemmungen fielen von uns ab, wir schlugen uns unseren Weg durch die Spiegel und flohen zum Zentrum des Kabinetts, den Zentrum des Grauens. Und dort erwartete uns schon der Gaukler. Und er sang zu seinem Leierkasten dieses Lied, dieses – ich muss den Gedanken bekämpfen, es fühlt sich an, als würde es von mir Besitz ergreifen!! Will um sich schießend gelang schließlich Lord Henry das Wunder – er traf den alten Bronzespiegel, der im Zentrum des Unheils aufgestellt war und die Welt schien stillzustehen. In der Erinnerung scheint es mir, als sei der Gaukler fassungslos gewesen, aber meine überreizten Nerven mögen mir da einen Streich gespielt haben. Und dann verging die Welt im Chaos – alle Spiegel zersprangen! Als wir erwachten, lagen wir in einem Haufen von Scherben, die Schatten waren vergangen und auch von den Toten fehlte jedes Zeichen. Ebenso von dem Gaukler. Blutend verließen wir das Zelt – die Welt schien uns wie von einem Leid erlöst, fast friedvoll. Einzig der Leierkasten erinnerte an das Grauen, welches wir erlebt hatten und ein morbider drang brachte mich dazu, diesen näher zu betrachten. In meinem Geist steigen schon wieder die Bilder auf, aber ich muss es Ihnen erzählen, ich muss Ihnen erzählen, was meine Augen sahen. Ich öffnete den Leierkasten und sah keine Blasebälge, keine Drehscheibe – ich sah Lungen und ein Notenband aus Sehnen – menschliche Lungen und Sehnen! Wenn ich es doch nur beweisen könnte, aber ich musste diese diabolische Kreation zerstören – das werdet ihr doch verstehen! Und dann verließen wir den Ort des Grauens. Wenn ich es Ihnen doch sage – so und nicht anders ist es geschehen, warum glauben sie mir nicht?? Ich weiß, was ich gesehen habe, ich bin nicht verrückt. Ich brauche nur Ruhe, RUHE!!! Das Therapiegespräch musste an dieser Stelle abgebrochen werden, da der Patient von nervösen Krämpfen geplagt wurde. Sedativum wurde verabreicht und der Patient zurück in sein Zimmer verbracht. |
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