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kurz nach der Befreiung von Tika...
...hier mal ein kleiner Vorgeschmack auf Ereds Story um Alhana und die Elfen im Allgemeinen...
...die Geschichte nimmt ihren Anfang ein paar Tage nach der Befreiung von Tika, im HCT...
ALHANA STARBREEZE
Das Echo des Triumphs war lange verhallt, dennoch plagten Ered seither die schlimmsten Alpträume – Nacht für Nacht. Wieder war er schweißgebadet aufgewacht, das irre Kreischen von Takhisis noch im Ohr. Und auch diesmal stand er sogleich auf, um im nahen Morgengrauen den Tag mit einem Gebet zu begrüßen…
…schemenhaft und sehr langsam bahnten sich die Eindrücke der Steppenlandschaft in Ereds Kopf. Erst einsame, verlassene Hügel… Dann die Herde… Bilder aus seiner Vergangenheit… Bilder des Triumphes… Und zwischendurch immer mal wieder die riesige Gestalt des weißen Büffels…
So begann es jeden Morgen bei seinen Gebeten. Und stets war in ihm sofort die wohlige Gewissheit vorhanden, dass Kiri-Jolith auf immer ein Teil von ihm sein und ihm stets zuhören und bei ihm sein würde.
Doch an diesem Morgen sah er…
…Alhana, wie sie an ihres Vaters Grab trauerte... Cyan, wie er mit der Dunkelheit sprach, wütend über die Geschehnisse… Alhana, wie sie im Thronraum über ihre Zukunft sinnierte… Ariakas, wie er neue Pläne schmiedete… Alhana, an dem Tag ihrer Hochzeit mit Porthios… Ein Buch, dessen leere Seiten sich nach und nach füllten… Alhana und Porthios, die vor etwas fortzulaufen schienen… Chaos, dass sich über das wiedervereinigte Elfenreich legte… Alhana, wie sich ihm zuwandte, ihre Augen Hilfe suchend… Ein Drachenkopf, der über Silvanost schwebte… Alhana, deren Gesichtszüge grausam entstellt waren… Ein Drachenkopf, der über Qualinost schwebte… Alhana, deren Kopf langsam die Form eines Drachen annahm… Ein Drachenkopf, der wie Cyan aussah… Die gut aussehende Gestalt eines mächtigen Kriegers… Alhana, die zusammengebrochen war… Porthios, der über all das lachte… Alhana, die…
Ered wurde aus seinem Traum gerissen, als irgendwo in seiner Nähe eine Schüssel auf dem Boden zerbarst. Schwer atmend kniete er immer noch auf dem steinigen Grund, an sich herabblickend. Sein Gewand war in Blut getränkt. Er versuchte, sich aufzuraffen, doch es wurde ihm schwarz vor Augen, als er endlich Stand. Dann riss er sich die nassen Kleider vom Leib und erkannte noch, dass die Wunde auf seiner Brust aus allen Poren blutete, bevor er bewusstlos zu Boden sank…
…nur ein paar hundert Meilen entfernt, leckte sich ein riesiger grüner Drache die Wunde, die ihm Ered bei der Befreiung von Tanis und Gilthanas zugefügt hatte. Wütend katapultierte er sich in den Morgenhimmel, die erbärmlichen Schmerzen ignorierend und stieß dabei einen markerschütternden Schrei aus…
*
„Ered, alter Freund. Du bist wieder da”, Corwyn trat an die Seite seines Freundes.
„Hey, Ashtari! Er kommt wieder zu sich“, rief Corwyn und wartete, ob die Priesterin endlich in der Tür erschien.
Eine Adeptin kam stattdessen herbeigeeilt und drückte den Kopf des Paladin wieder in die Laken zurück, da er sich gerade aufrichten wollte.
„Ihr dürft noch nicht aufstehen, ihr habt zuviel Blut verloren.“
Ihre sanfte Stimme beruhigte Ered, und er gab ihrem sanften Druck nach.
„Wie lange, Corwyn?“, fragte Ered liegend.
„Keine Ahnung. Ein paar Tage. Tongwa war auch hier, er war sehr beunruhigt. Ist aber gestern wieder ohne ein Wort zu sagen verschwunden.“
„Verdammt! Wann lässt mich dieser verdammte Wurm endlich in Ruhe?“
„Bist du sicher, dass er dahinter steckt? So wie ich das verstanden habe, leidet er ebenfalls, wenn deine Wunde blutet. Er war sicher nicht in der Nähe. Das hat zumindest Tongwa gesagt.“
„Na, der wird es ja wissen“, erklärte Ered verächtlich.
„Corwyn?“ Ered richtete sich trotz der Proteste der Heilerin auf und setzte sich auf die Bettkante: „Ich muss gehen…“
„Jetzt mach mal halb lang, Großer!“ Corwyn stand auf und hielt den Hünen davon ab aufzustehen.
„Seitdem wir wieder da sind, siehst du von Tag zu Tag jämmerlicher aus. Und jetzt das. Schläfst du überhaupt?“
„Ich habe keine Ahnung“, antwortete Ered. „So wie ich jeden Morgen aufwache und mich fühle, scheine ich jede Nacht die Strecke von Palanthas zum Tower und zurück gelaufen zu sein.“
„Seht ihr, ihr müsst euch einfach ausruhen“, mischte sich die Heilerin ein.
„Nein!“, herrschte Ered sie an, was ihm zugleich wieder Leid tat. Er wandte sich zu ihr: „Verzeiht – bitte holt mir Ashtari her oder Renare, eine von Ihnen wird mich sicher wieder auf die Beine bringen.“
Die Adeptin eilte davon. Corwyn, der sich inzwischen ernsthaft sorgen um seinen Freund machte, sah ihn nachdenklich an.
„Wann willst du denn los? Und wohin? Weißt du überhaupt wo der Drache steckt?“, fragte er.
„Ich muss so bald wie möglich weg“, antwortete Ered, „Nicht zu Bloodbane. Ich muss nach Silvanost.“
„Nach Silvanost? Warum das denn?“ Corwyn verstand jetzt gar nichts mehr. „Hast du nicht gesagt, dass das nicht geht!? Ich meine, das wäre doch aussichtslos…“
„War das unser Kampf hier nicht auch?“
„Aber das ist doch etwas völlig anderes“, protestierte Corwyn.
„So? Nicht für mich!” Mit diesen Worten stand Ered auf und suchte nach seinen Sachen. Er fand den magischen Beutel neben dem Bett liegend, griff hinein und zog sich seine neuen Kleider an.
In diesem Moment kam Renare in den Raum und protestierte auf schärfste, dass Ered bereits wieder auf den Beinen war.
„Ihr müsst euch ausruhen, euer Körper braucht Zeit.“
„Seit Jahren habe ich die nicht – und ich werde heute nicht damit anfangen herumzutrödeln“, tadelte er sie. „Helft mir, oder ich gehe so wie ich bin!“, kommandierte er.
Renare’s Blick wanderte zur Tür, in der jetzt auch Ashtari auftauchte.
„Ist schon gut, Renare. Bitte geh’ und hilf den anderen, wir haben wieder ein paar Verwundete hereinbekommen.“
Missbilligend verließ Renare den Raum.
Sie sah sich Ered genau an. Sorgenfalten legten sich auf ihre Stirn. Die Tatsache, dass Cyan Bloodbanes Wunde auf Ereds Brust dermaßen aufgebrochen war, bestürzte sie. Sie war nur noch selten im Feldlager gewesen, überlies alles Renare. Als aber ihr Freund drei Tage zuvor eingeliefert wurde und man ihr sagte, dass Ered aus mehreren Wunden auf der Brust bluten würde, war sie wie der Wind zu ihm geeilt. Immer wieder hatte sie die Wunden schließen müssen, die jedoch wenige Stunden später immer wieder aufgebrochen waren.
„Du willst es also zu Ende bringen!?“, fragte sie.
„Was zu Ende bringen?“
„Cyan Bloodbane!“
„Cyan?“, fragte Ered irritiert, „um den geht es doch überhaupt nicht!“
Ashtari blickte erst Corwyn und dann Ered verständnislos an.
Ered atmete tief durch.
„Ich hatte eine Vision. Es war alles so verwirrend.“ Er druckste ein wenig herum. „Ich kann es euch nicht sagen! Nur so viel, Ashtari, es hat nichts mit meiner Rache an Cyan zu tun. Es geht um die Elfen, Silvanesti und Qualinesti. Mehr kann ich wirklich nicht sagen. Laurana wird mir nicht helfen können. Ich muss nach Silvanost.“
Ashtari nickte und trat zu Ered heran: „Versprich mir, dass du ihn nicht töten wirst. Hörst du? Versprich es!“
Ered kniff die Lippen zusammen, blickte noch einmal zu Corwyn und nickte. „Ich verstehe es immer noch nicht, aber ich verspreche es!“
Dann wirkte Ashtari ein Ritual und Ered fühlte sich augenblicklich besser. Die Schmerzen aus seiner Brust waren verschwunden, die Schwere in seinem Körper ebenfalls. Dann ging auch Ashtari aus dem Raum.
„Es ist dir doch klar, dass ich dich nicht allein losziehen lasse, den ganzen Spaß zu haben“, scherzte Corwyn. „Zudem habe ich ihr nichts versprochen.“
„Ganz im Gegenteil, mein Freund, ganz im Gegenteil“, Ered hielt kurz inne. „Es wird keinen Spaß geben. Tut mir wirklich Leid. Diesen Part werde ich allein erledigen. Und was das Versprechen angeht, so wäre das nicht Rechtens und das weißt du.“
Dann machte er sich daran, seine Sachen zu packen und Silverstream zu rufen, dass er ihn nach Silvanost bringen sollte. Er wollte keine zeit verlieren…
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