Corwyn - 06 - DSNT - City of Lost Names
In der Stadt
Die Stadt war geisterhaft. Sie war einst sehr groß gewesen, etwa so wie Tarsis vor dem Cataclysm, aber dies muss bereits vor einer sehr lange Zeit gewesen sein. Von den meisten Gebäuden des äußeren Rings standen nur noch die Grundmauern. Zum Tempelberg hin wurde es etwas besser, wahrscheinlich waren auch die Gebäude stabiler erbaut worden. Der innere Kern verfügte Teilweise sogar noch über Dächer und boten Schutz vor der Natur.
Offensichtlich hatte auch die besagte Schwadron der Blackdragon Army hier gelagert, fanden wir doch eine Menge Spuren und Unrat vor. Zumindest war von den Soldaten selbst nichts mehr zu sehen, und ich fand eine breite, deutlich lesbare Spur die aus der Stadt heraus, geradewegs Richtung Nord-Osten führte.
Auf dem Tempelberg selbst thronte der besagte Tempel, fast unangetastet von Zeit und Naturgewalten. Selbst die Soldaten der Blackdragon Army schienen einen Bogen um den Berg gemacht zu haben. Eifrig machten wir uns auf die Suche nach der von Amjad beschriebenen Villa nordwestlich des Tempelbergs. Wir fanden Sie, und auch hier viel uns das Ausbleiben des von der Armee hinterlassenen Unrats auf. Die Blackdragon Army hatte auch um dieses Haus einen Bogen gemacht. Tatsächlich waren gar keine Spuren zu entdecken.
Es wurden letzte Vorbereitungen getroffen und Ashtari und Ered riefen den Schutz der Götter auf uns herab, dann betraten wir das Haus. Auch Innen fanden sich keinerlei Spuren und irgendwie fragte ich mich, ob Djinns etwa keine Spuren hinterließen? Keine Geräusche, kein Licht. Tongwa wagte es schließlich und zündete ein blaues Licht an. „Schirac!“
Kalte Mauern grinsten uns an, alle Farbe im Dunste der Jahrhunderte verblichen. Die Räume im Ergeschoss waren allesamt leer, wenn man eine Dicke Staubschicht nicht mitzählt. Eine Kellertreppe gab es nicht, also stiegen wir in den ersten Stock hinauf. Eine nachträglich angebrachte Eisentür erwartete uns.
Aufgestöbert
Wir betraten einen dunklen Raum, es gab nur wenig Licht. Noch bevor wir den Raum vollends betreten hatten, erschienen vor uns drei merkwürdige Erscheinungen. Sie waren rund zwölf Fuss groß und sicherlich zweitausend Pfund schwer. Kahle Schadel, rote Haut, extrem muskulös, und böse verzerrte Gesichter.
Mein erster Gedanke lautete „Efreti!“, bestätigt durch Tong der von hinten eine Warnung rief. Ered und ich zogen sofort blank.
Die Efreti betrachteten uns, ihre Stimmen leicht schrill und bösartig.
„Sollten diese Exemplare es sein?“
„Sie sehen aus wie von Ariakas beschrieben!“
„Er sagte sie wären mächtige Krieger...“
„Diese sehen gar nicht so aus?“
„Und sie sind viel zu spät.“
„Und zuwenige!“
„Spielt es eine Rolle?“
Eine kleine Pause trat ein, die Efreti sahen sich gegenseitig an. Plötzlich grinsten Sie. „NEIN!“
Dann brach die Abyss über uns herein.
Eine Vielzahl an farbiger Energie wurden von den Dreien über uns geschüttet, begleitet von lautem Donnerhall. Aber wie durch ein Wunder „floss“ diese Energie einfach über uns hinweg. Die Hand der Götter wachte über uns. Der Größte der Efreti, vermutlich der Anführer, warf sich mit einem wütenden Schrei auf Ered, den er wegen dessen Größe wohl zurecht als größte Gefahr wahrnahm. Der Efreti schaffte es noch nicht mal Ered zu berühren. Er prallte an des Paladins unsichtbarer Aura ab und floh mit einem ohrenbetäubenden Aufheulen in den nächsten Raum. Ein gleissendes Krachen und Zischen zu meiner Rechten desintegrierte einen weiteren Djinn. Tong hatte einen seiner überdimensionierten Ligthingsbolts abgefeuert. Ich stürzte mich auf den verbliebenen, und nach einem kurzen Austausch von hieben, täuschte ich einen Fehltritt vor befreite den Efreti von seinem hässlichen Schädel.
Im angrenzenden Raum fanden wir den geflohenen Efreti. Als Ered und ich den Raum betraten, wandt er sich vor Schmerzen als des Paladins Aura ihn ereichte. Ered wollte ihn sofort angreifen aber ich hielt ihn auf. „Warte einen Moment!“
Er schaut mich stirnrunzelnd an, führte seinen Hieb aber nicht aus.
Ich wandte mich an den geifernden Riesen in der Ecke, der sich vor Schmerzen krümmte. „Du, Efreeti! Willst Du hier lebend herauskommen?“
Er brachte trotz seiner Schmerzen ein Grinsen zu Stande. „Mensch, Du willst um mein Leben verhandeln? Das ist Gut, sehr Gut. Was willst Du?“
Mein Hirn lief auf Hochtouren, solche Verhandlungen sind sicher nicht meine Spezialität. „Erstens: Du ziehst hier ab, richtest keinen Schaden mehr an und behelligst uns weder direkt noch indirekt jemals wieder!“
„Es sei!“
„Wo ist Tika, eure Gefangene?“
Sein Gesicht wurde ausdruckslos. „Den Gang weiter, hinter der abschließenden Doppeltür.“ Er reichte mir einen Schlüsselbund.
Ich dachte angestrengt nach. „Nur noch eines... geh zu Ariakas und sage ihm, das er der Gerechtigkeit nicht entgehen wird. Sage ihm, wir werden ihn finden und vernichten!“
„Der Efreeti sah mich mit großen Augen an. „Ich weiss nicht wo Ariakas ist, er könnte überall sein...“
Mir wurde klar, er hatte Angst vor einer Begegnung mit Ariakas. „Schwöre es jetzt oder stirb!“. Ich hob mein Schwert und auch Ered holte zum Schlag aus.
kleinlaut schwor der Efreeti unsere Bedingungen zu erfüllen und wir ließen ihn gehen.
Am Ziel
Wir begannen die Räume der Reihe nach zu durchsuchen und rechneten dabei mit dem schlimmsten. Schließlich erreichten wir eine prachtvoll verzierte Doppeltür, die ich ungeduldig aufschloss.
Mit dem Anblick der sich uns bot, hatte allerdings niemand gerechnet, obwohl wir alle mit dem schlimmsten gerechnet hatten. Der Raum war mäßig erleuchtet, und in der Mitte stand ein gemütlich aussehnender Diwan. Auf ihr räkelte sich, mit einem Gesichtsausdruck zwischen Langeweile und Zorn, Tika. Zu meinem Erstaunen trug sie eine Art reichverziertes Haremskostüm, welches unter akutem Stoffmangel litt. Sie lag bäuchlings auf dem Diwan und bediente sich an einem Teller mit Weintrauben.
Ich konnte nicht anders, ein breites Grinsen zog trotz steter Gegenwehr in meinem Gesicht auf. Tika sah Tong, Ered und mich, und ihre Mundwinkel verzogen sich. Ashtari wartete verborgen hinter der Tür.
„Haha, sehr lustig. Spielen wir heute wieder ‚Tika wird gerettet’?“
Mir fehlten die Worte, den anderen offensichtlich auch. Ich grinste „Hallo Tika, schön Dich unversehrt hier zu finden.“
Tika wurde wütend „Spart euch das.“ Sie warf kurzerhand die Metallplatte mit den Trauben in meine Richtung, die ich nur knapp mit meinen Armen abwehren konnte.
„Ähm... Tika...“
Tika sprang auf. „Ich hab’ keine Lust mehr bei Euren Spielchen mitzumachen. Lasst mir meine Ruhe, verdammt!“ Sie stemmte streitlustig die Arme in die Hüften, was angesichts ihrer knappen Bekleidung doch recht komisch aussah. Natürlich bemerkte Sie meinen Blick. „Und verdammt, bringt mir endlich was Gescheites zum anziehen, dieses Zeug ist doch nicht zum aushalten.“
Ashtari wählte diesen Moment um ebenfalls den Raum zu betreten, sie starrte ungläubig.
„Na wunderbar, habt ihr noch einen vierten eurer Sorte aufgetrieben“. Sie zeigte auf Ashtari. „Aber egal was ihr euch ausdenkt, ich mach’ nicht mehr mit!“
Ashtari räusperte sich. „Tika, wir sind nicht...“
Sie unterbrach resignierend die Priesterin. „Vergesst es einfach.“ Sie dreht sich um und ging zu dem Diwan zurück. Sie kroch unter eine Decke und begann zu schluchzen. „Lasst mich einfach in Ruhe!“
Ich sah meine Freunde kurz an und trat dann an den Diwan heran. Ich kniete nieder und schaute sie an. „Tika, ich bin es wirklich. Wir haben die Djinns erschlagen. Du bist frei...“.
Sie zog die Decke über ihren Kopf. „Ich höre überhaupt nicht zu, gleich lacht ihr euch wieder tot und verschwindet wieder.“
Ich entriß ihr die Decke und sah ihr in die Augen. „Tika Waylan, ich kenne dich seit meiner Kindheit. Ich habe Dir geschworen, dass ich von überallher kommen würde, um Dich zu schützen. Ich habe dir in Thorbadin einen Heiratsantrag gemacht und in Palanthas haben wir uns erst gestritten und dann getrennt. Bitte verzeih mir, dass es solange gedauert hat. Tika, ich liebe Dich.“
Ihre Augen weiteten sich „Oh...“ Sie flog mir in die Armee, und das mit einer solchen Wucht das ich gerade nach hinten kippte. Dann gab Sie mir einen langen Kuss. Ashtaris, Tongs und Ereds Gelächter ging irgendwie im Rauschen des Blutes unter.
Draußen erwarteten uns Silverstream und Moonlight, sehr zu Tika’s Freude die bisher keine Metalldrachen zu Gesicht bekommen hatte. Die beiden unterrichteten uns, dass sie in der alten Stadt keine weiteren Spuren der Draconian-Armee gefunden hätten. In mir erwachte die Abenteuerlust und ich drängte meine Gefährten darauf, die Stadt genauer zu untersuchen. Tatsächlich waren es die beiden Drachen, die eindringlich davor warnten. Die meisten Gebäude der Stadt waren schon seit Jahrhunderten geplündert, und die abgerückte Armee hatte sich ebenfalls an ihnen schadlos gehalten. Das einzig halbwegs erhaltene Gebäude in der Mitte der Stadt, war der alte Tempel, vor dem Amjad eindringlich gewarnt hatte. Nur zu gerne ließ ich mich von Ashtari und Ered von dieser Gelegenheit abbringen. Mein Bruder schaute etwas enttäuscht...
Der Rest ist schnell erzählt. Wir flogen zusammen nach Solace, wo wir einen Trupp der Blackdragon Army vorfanden. Wir überließen den beiden Drachen den Großteil der Arbeit (das geht einfach schneller und ist sicherer), und befreiten die Zwangsarbeiter. Von Solace großen Bäumen war nichts mehr übrig – alles ist abgeholzt worden, wohl um Belagerungsmaschinen zu bauen. Am Tage nach der Befreiung kamen dann weitere Überlebende aus den Wäldern, darunter auch unser Vater. Er war unterernährt wie alle anderen auch, aber angesichts der Befreiung guter Dinge.
Ich sah nur wenig Hoffnung, aber die Überlebenden wollten Solace nicht aufgeben und es wieder aufbauen. Für mich war hier kein Platz mehr – das alte Solace würde nie wieder zurückkommen.
Anschließend flogen wir gemeinsam zum Tower of Wayreth, den wir nach kurzer Suche auch tatsächlich wieder fanden. Dort ließen wir Tongwa zurück, der mit Par-Salian, dem Meister des Towers sprechen wollte. Dazu wollte Tong nach Kit forschen.
Auf Ereds Wunsch flogen wir weiter nach Estwilde, er hatte dort noch ein Versprechen gegenüber dem getöteten ehemaligen Morgion-Priester Karlat einzulösen.
Dann ging es endlich nach Sancrist, wo wir etwa eine Woche vor dem Whitestone Council eintrafen.
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- Corwyn, Master of Blades -
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