Geschichten aus Aventurien: Dschinnenflug
Die Luft singt, der Dschinn unter uns lacht vor Vergnügen – ich lache mit.
Meine Gefährten bei dieser Luftreise sind ein Geode namens Turmalin mit seinen ständigen Begleiter, seinen Hund Bero der genauso groß ist wie sein Herr. Letzterer krallt sich gerade mit sichtlichen Unbehagen im Pelz des Dschinn fest. Fliegen mit Luftgeistern scheint nicht sein Ding zu sein. (Obwohl er zuerst behauptete er sei zwar ein Zwerg, habe aber trotzdem keine Angst vorm Fliegen....)
Allerdings bin ich auch nicht viel größer. Ich wiege nur knapp 2000 Unzen auf ganze 158 cm verteilt, eine kleine, zierliche Person. Meine Haare sind lang und schwarz wie die Nacht im Dschungel, meine Haut ist oliv-braun, meine Augen braun wie das Holz der Bäume. Ich verschmelze geradezu mit den Bäumen, ich kann mich perfekt in den Wäldern meiner Heimat verbergen.
Aber, meine Heimat ist Vergangenheit, vor mir liegen Abenteuer und Bewährungen. Irgendwann darf ich, so es die Ahnen und Geister der Welt es beschließen, zu meinen Stamm zurückkehren.
Ich bin Ulmeria, eine Schamanin. Die Ulme ist der Baum meiner Geburt, ich trage sie eingraviert auf meiner Haut, eine Erinnerung an meine Heimat und die Ermahnung das Andenken an die Ahnen und meinen Stamm heilig zu halten.
Gedankenverloren reibe ich ein wenig Farbe von den Armen – die leuchtenden Striche, Kreise und Symbole, deren Bedeutung heiligstes Schamanenwissen ist, halfen mir ebendiesen Luftdschinn zu beschwören, auf dem wir gerade fliegen. Auf der Suche nach den uns bestimmten Gefährten und Kameraden, um zu Abenteuern, Aufgaben und Bewährungen aufzubrechen. Der Dschinn wird uns an den richtigen Ort bringen.
Ich rufe Kamaluq, den heiligen Puma. Beschwöre mit meinen Singsang die Luft, die uns jetzt trägt, rufe die Erde, die uns dann wieder sicher auffangen wird, und das Wasser das unseren Durst in Form von Regen gestillt hat.
Holla, der Dschinn bäumt sich auf, er sieht sein Ziel.
Ich packe meine Keule fester, die ich immer bei mir trage: Rüstera, unzerbrechlich, aus dem Knochen eines riesigen Tieres gefertigt das vor uralter Zeit lebte. Es war meine Prüfung mich diesen Tiergeist zu stellen und dieses Geschenk von ihm zu erbitten. Sie warnt mich vor verborgener Magie, hilft mir meine heiligen Rituale zu bestehen, ich weiß immer wo sie ist. Schon mancher Bösewicht erwachte am nächsten Tag und fragte sich, woher bei allen bösen Geistern denn dieser schmerzende Dumpfschädel ohne vorhergehendes Saufgelage herkam. Eigentlich mag ich Raufereien nicht besonders, aber wenn so ein unselig gestimmter Feind vor uns steht, oder so ein Ungeheuer oder ein Dämon gar – und uns ans Leder will – dann haue ich mit Rüstera zu. Und wenn meine Keule trifft, dann tut sie es nachhaltig.
Ansonsten bin ich damit beschäftigt zu helfen die Blessuren meiner Kameraden zu heilen oder mit meinen Ritualen verfahrene Situationen zu bereinigen. Manchmal nehme ich auch die Schicksalsrunen hervor und befrage diese, was uns verheißen ist.
Rums! Der Dschinn berührt den Boden, wir klettern von seinen Rücken. Ich vollführe die Geste des Dankes und der Wertschätzung und sende den Dschinn davon. Wir gehen auf die Gruppe der bunt gemischten Gestalten zu, die uns mit großen Augen entgegensehen.....
Mit freundlicher Genehmigung von Turmalin, einem Geoden aus den Amboßbergen
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